Nachdem der Goldpreis nach einer rund sechsjährigen Bodenfindungsphase in den letzten Wochen stark angestiegen ist, stellt sich konsequenterweise die Frage, wie es mit dem gelb schimmernden Edelmetall weitergeht. Laut Ronald-Peter Stöferle, Partner bei Incrementum und einer der wichtigsten Autoren des jährlichen "In Gold we Trust"-Reports, den das Wall Street Journal als "Goldstandard aller Goldstudien“ bezeichnet, sei Gold aus Sentiment-Sicht eindeutig überkauft.

Nach Korrektur weiter Luft nach oben
Kurzfristig droht bei Gold daher eine Korrektur oder zumindest ein "Luft-Ablassen", wie Stöferle auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE einräumt. Denn am Terminmarkt hätten Spekulanten eine rekordhohe Position an Gold-Derivaten gekauft und warteten auf weiter steigende Goldkurse. Erst wenn dieser spekulativer Überhang abgebaut sei, könne es mit dem Goldpreis weiter nach oben gehen.

Eine aus charttechnischer Sicht stark überkaufte Lage sei am Anfang eines Bullenmarkts aber völlig normal und sollte Investoren nicht beunruhigen, gibt Stöferle zu bedenken. Stark korrigieren würde der Goldpreis aus markttechnischen Gründen nicht, denn laut Einschätzung Stöferles hätten die meisten Investoren, darunter viele Institutionelle, die Rally verpasst. Diese seien weder in Gold direkt, noch in Goldminenaktien engagiert.

Derzeit werde das Thema hauptsächlich von den Medien gespielt. Daher sei noch genug trockenes Pulver für Käufe vorhanden, um für weiter steigende Kurse zu sorgen. "Steigen könnte der Goldpreis spätestens dann, wenn ein ganz bestimmter blinder Fleck bei Investoren wieder mehr Beachtung findet", erläuert der Incrementum-Mann.

Inflation könnte wiederkehren
Derzeit hat das Thema "Inflation“ kaum ein Anleger auf dem Radar. "Inflation ist das größte Anti-Thema der Zeit“, erklärt Stöferle. Das könnte sich aber zur Überraschung vieler Marktteilnehmer bald ändern: Einerseits wollen die Zentralbanken die Inflation ankurbeln, andererseits misst das hauseigene Inflations-Modell von Incrementum bereits ein leichtes Inflationssignal. Dieses könnte demnächst auf ein "volles" Inflationssignal umspringen. Ein Indiz dafür sei das Gold-Silberpreis-Verhältnis. So entwickelte sich Silber zuletzt etwas dynamischer als Gold, was oft ein Zeichen zukünftig höherer Inflation sei. "Falls der Goldpreis steigt, ist auch Silber auch immer eine Überlegung wert", bemerkt Stöferle.

Barren, Münzen oder Goldminenaktien?
Unsere Redaktion wollte von dem Experten wissen, ob Anleger lieber auf physisches Gold, oder auf Goldminenaktien setzen sollen. "Das ist unserer Sicht eine Frage der dahinterstehenden Motivation seitens der Investoren", meint Stöferle.

Falls Investoren eine Absicherung gegen eine Systemkrise suchten, wäre physisches Gold ideal. Von Derivaten und insbesondere ETFs respektive ETCs auf Gold hält Stöferle wenig, vor allem, wenn es zu einer Systemkrise käme. Wenn schon Investoren aus regulatorischen Gründen diese Instrumente verwenden müssten, sollten sie sich jedenfalls ausführlich dem Emittenten-Risiko widmen. 

Wer eine Wette auf einen steigenden Goldpreis wagen will, sollte besser Goldminenaktien kaufen. Denn diese haben historisch betrachtet einen Hebel von etwa 3:1 zum Goldpreis. Zurzeit sei dieser Hebel aber höher, weil Goldminen-Produzenten aus dem längsten Bärenmarkt der Geschichte kommen, in dem Goldminenaktienkurse vom historischen Hoch im hohen, zweistelligen Prozentbereich gefallen sind und nun erst einen Boden ausbilden. Das Kurspotenzial nach einem Rücksetzer des HUI-Gold-Bugs-Index in Höhe von etwa 70 Prozent von seinem Hoch sei enorm: "Goldminenunternehmen haben ihre Hausaufgaben und ihre Kosten reduziert, legen Wert eher auf die Cash-Flow-Generierung denn auf überteuerte Übernahmen und stehen fundamental viel besser als vor ein paar Jahren da." Dass der Bärenmarkt bei Goldminenaktien vorbei sei, zeige sich unter anderem daran, dass es gegen Ende hin aus Kostengründen zu Fusionen und Übernahmen in diesem Sektor kam und die überlebenden Unternehmen nun gestärkt aus dieser Konsolidierung herausgekommen sind.

Traumhafte Konstellation
Der nunmehr gestiegene Goldpreis in Verbindung mit einem weiterhin harten US-Dollar schaffe für Goldproduzenten "eine fantastische Situatio". Denn Goldminenbetreiber aus Kanada, Australien haben Kosten in Lokalwährung, können aber das Gold zu immer höheren Preisen in harten US-Dollar verkaufen. Hilfreich sei auch der niedrigere Ölpreis. All dies rechnet sich für Investoren: "Der Hebel auf einen steigenden Goldpreis ist daher höher als in der Vergangenheit", meint Stöferle. (aa)