An den Finanzmärkten grassiert derzeit die Sorge, dass die beispiellosen Hilfsmaßnahmen von Regierungen und Zentralbanken im Kampf gegen die Corona-Pandemie die Inflationsrate in die Höhe treiben. Kurzfristig ist diese Sorge wohl unbegründet. "Solange die medizinische Krise die Wirtschaft fest im Griff hat und das Wirtschaftswachstum stark einbricht, sollten die Inflationsraten niedrig bleiben", glaubt Birgit Henseler, Analystin bei der DZ Bank.  

Auf längere Sicht sei aber sehr wohl vorstellbar, dass die expansive Geldpolitik zusammen mit der hohen Verschuldung der öffentlichen Haushalte den Anfang vom Ende der Ära der niedrigen Inflation markieren könnte. Sobald es der Welt gelingt, die Krise vollständig in den Griff zu bekommen, dürfte "ein starker Aufschwung einsetzen, der durch fiskalpolitische und geldpolitische Impulse beflügelt wird", sagt die Expertin. Diese Impulse dürften wohl um ein Vielfaches größer sein als während der globalen Finanzkrise. Zudem fehlt nun der disinflationäre Gegenwind, der damals vom schwachen Bankensystem ausging.

Gigantische Zentralbank-Bilanzen
Nicht zuletzt kaufen die Zentralbanken derzeit in vielen Ländern die Staatsschulden auf. Henseler hält es daher für möglich, dass die Bilanzen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank Federal Reserve schon bald rund 50 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen könnten. Damit dürften sie deutlich stärker anwachsen als nach der "großen Rezession" von 2008/2009.

Gleichwohl gilt, dass die Inflationsraten kaum allein aufgrund der hohen Liquiditätsversorgung der Märkte kräftig steigen dürften. "Viele Argumente, die in der Vergangenheit die Inflationsraten gedrückt haben, gelten auch weiterhin", sagt die Analysten. Sollte es zu einem Inflationsschub kommen, werden die Zentralbanken nicht tatenlos zusehen, ist Henseler überzeugt. (fp)