Regierungskrisen sind in Italien nichts Ungewöhnliches – 65 Regierungen hat das Land seit 1946 gesehen. In der Regel hinterlassen die Turbulenzen in der Politik jedoch ihre Spuren im Finanzsystem. Diesmal ist das anders: Obwohl die populistische Regierung seit August zerbricht, präsentieren sich die italienischen Anleihemärkte erstaunlich ruhig: "Nach einem kurzen Ausreißer handeln die Zehnjährigen wieder mit 200 Basispunkten Renditeaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen, dem gleichen Stand wie zu Monatsbeginn", sagt DWS-Chefanlagestratege Stefan Kreuzkamp.

Diese Stabilität haben Bond-Investoren vor allem den erneuten Anleihekäufen der Zentralbanken zu verdanken. Seit Juni mehren sich die Hinweise, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Kaufprogramm wieder aufnehmen könnte. "Damit sollte sich der Anteil der Staatsanleihebestände, die von der italienischen Zentralbank gehalten werden, weiter erhöhen", prognostiziert Kreuzkamp.

Skepsis bei ausländischen Investoren
Wenig gefragt sich die italienischen Staatspapiere bei ausländischen Investoren. Hielten sie Ende 2009 noch knapp 50 Prozent der Bonds, sind es heute nur noch knapp über 30 Prozent. Auch der von italienischen Privatanlegern direkt gehaltene Anteil ging von knapp 20 Prozent auf aktuell nur noch fünf Prozent zurück. Aufgestockt haben die heimischen Banken und besonders die Zentralbank: Deren Anteil stieg von vier Prozent auf aktuell fast 20 Prozent. (fp)