DWS-Stratege: KI-Boom und Dotcom-Blase – Parallelen und Unterschiede
Aktienexperte Dirk Schlüter von der DWS sucht Parallelen zwischen KI-Euphorie und Dotcom-Blase – und findet vor allem Unterschiede.
Kurzzeitig schienen die Börsen dem Thema künstliche Intelligenz (KI) kritischer gegenüberzustehen. Doch diese Skepsis dauerte nicht länger als ein paar Wochen. Inzwischen treiben KI-Aktien die Kurse in den USA auf immer neue Rekordhochs. Sind diese Kurse noch gerechtfertigt? Gibt es Parallelen zur Dotcom-Blase der späten 1990er Jahre? Nur bedingt, meint DWS-Anlagestratege Dirk Schlüter.
Profitabilität ist heute höher
Er nutzt zur Beantwortung dieser Frage den sogenannten CROCI-Ansatz, eine Methode, die die Werthaltigkeit von Aktien verschiedener Unternehmen gut miteinander vergleichbar machen soll. Laut Schlüter ist die Frage nach einer möglichen Blase nicht so eindeutig zu beantworten. "Ein ganz wesentlicher Unterschied der heutigen Situation zu der Zeit der Dotcom-Blase liegt in der heute deutlich höheren Unternehmensprofitabilität", so Schlüter. "Die großen US-Unternehmen sind heute wesentlich profitabler, als sie es vor 25 Jahren waren."
Auf der Sollseite steht dagegen die Umsatzentwicklung der Unternehmen, die massiv in KI investieren. Die Investitionen seien damals wie heute im Durchschnitt um 20 Prozent gestiegen. Damals hätten die Umsätze aber auch Schritt gehalten. Heute dagegen seien sie im Durchschnitt nur um zehn Prozent gestiegen. "Was wir momentan sehen, ist eine Wette auf die Zukunft", so Schlüter. Es bestehe die Gefahr einer sinkenden Profitabilität des eingesetzten Kapitals bei Unternehmen, die stark in KI investiert haben. Wenig überraschend gilt dies praktisch ausschließlich für die USA – dort werde um ein Vielfaches mehr investiert als in Europa.
Nutzungsdauer war früher länger
Ein weiterer Risikofaktor: Die Nutzungsdauer der Investitionen sei heute deutlich kürzer als in der Vergangenheit. So betrage die wirtschaftliche Nutzungsdauer von Servern heute zwischen drei und sechs Jahren. Früher hatten Großinvestitionen – beispielsweise in Kraftwerke – überwiegend eine Nutzungsdauer von 20 bis 30 Jahren. Die Unternehmen hatten also deutlich mehr Zeit, mit ihren Investitionen Gewinne zu erzielen. Positiv wiederum sei zu bewerten, dass die Unternehmen den Großteil ihrer Investitionen bislang aus dem eigenen Cashflow finanzierten. Viele Fragen offen. Nicht zuletzt die, ob die KI-Giganten von heute auch mittelfristig das Rennen machen werden oder eher die künftigen Anwender. (jh)




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