Nach dem heftigen Kursrutsch Anfang August scheinen sich die Aktienmärkte wieder stabilisiert zu haben – zumindest vorerst. Für Tim Albrecht, Fondsmanager bei der Deutschen-Bank-Tochter DWS, handelt es sich dabei lediglich um die Ruhe vor dem Sturm. "Eigentlich hat sich die Situation seit dem Jahresanfang nur verschlimmert – und schon damals sah es düster aus, was die großen politischen Konfliktherde rund um den Handelskrieg zwischen den USA und China, um Italien und um den Brexit angeht", sagte Albrecht im Interview mit dem "Handelsblatt".

Für die deutsche Wirtschaft hat der Anlageprofi keine guten Nachrichten. Er rechnet mit einer leichten technischen Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte nach dem zweiten Quartal auch im laufenden Quartal schrumpfen, prognostiziert Albrecht. Harte Zeiten stehen insbesondere dem verarbeitenden Gewerbe vor. "Hier erleben wir definitiv rezessive Tendenzen, auch eine Gewinnrezession", sagte Albrecht.

Billiges Geld schadet der Eurozone
Viele Anleger setzen darauf, dass die Notenbanken das Schlimmste verhindern werden. Diese Hoffnung könnte aber enttäuscht werden, fürchtet der Fondsmanager. Denn die Geldpolitik habe ihre Munition so gut wie aufgebraucht. "In Europa ist der Einlagenzins seit Jahren negativ, Banken geben es an ihre Firmenkunden und teilweise an private Kunden weiter", sagte Albrecht der Zeitung. Auch Anleihekäufe würden nur noch wenig bringen, weil die Unternehmen in der Eurozone nicht unter Kapazitätsknappheit leiden. Günstiges Geld würde des Problem deshalb nicht lösen. "Es schadet inzwischen sogar eher", sagte Albrecht. (fp)