DWS: KI-Boom spricht gegen Buy-and-Hold
Zunehmender Wettbewerb, sinkende Preise für KI-Modelle und milliardenschwere Investitionen erhöhen nach Einschätzung der DWS die Risiken im KI-Sektor. Der Vermögensverwalter setzt deshalb auf eine deutlich selektivere Aktienauswahl und warnt vor punktuellen Bewertungsübertreibungen.
Steigender Wettbewerbsdruck, Preiskämpfe bei KI-Modellen und ein rasanter technologischer Wandel verändern nach Einschätzung der DWS das Anlageumfeld grundlegend. Anleger müssten ihre Positionierung laufend anpassen. "All das spricht gegen eine Buy-and-Hold-Strategie. Wir setzen auf Selektion", schreiben CIO Vincenzo Vedda sowie Benjardin Gärtner, Global Head of Equity, und IT-Sektorchef Tobias Rommel in einer Analyse.
Zu den größten Risiken zählen aus Sicht der DWS der zunehmende Wettbewerb aus China, der hohe Kapitalbedarf der Anbieter sowie Engpässe bei Energie und Infrastruktur. Hinzu komme die offene Frage, ob sich die milliardenschweren Investitionen der Branche langfristig in ausreichenden Erträgen niederschlagen werden. Als Beispiel für mögliche Bewertungsübertreibungen verweisen die Autoren auf die "ungebremste Euphorie" anlässlich des Börsengangs von SpaceX. Auch die erwarteten Börsengänge von OpenAI und Anthropic dürften die Diskussion über angemessene Bewertungen weiter anheizen.
Chancen bestehen weiterhin
Trotz der wachsenden Risiken hält die DWS an ihrer grundsätzlich positiven Einschätzung für das KI-Thema fest. "Wir glauben, dass das transformative Potenzial der KI weiterhin viele Gewinner an der Börse hervorbringen wird." Deshalb konzentriert sich der Vermögensverwalter auf Unternehmen, die bereits heute nachweislich vom KI-Boom profitieren. Zu den Favoriten zählen auf der zyklischen Seite Halbleiterhersteller und auf der defensiveren Seite Versorger wegen des steigenden Strombedarfs der Rechenzentren und der fortschreitenden Elektrifizierung.
Software bleibt Sorgenkind
Deutlich skeptischer beurteilt die DWS den Softwaresektor. Als Ganzes habe dieser seinen Ruf als margenstarker Wachstumssektor mit hoher Kundenbindung eingebüßt. Langfristig sieht der Vermögensverwalter dagegen Chancen bei Unternehmen, die künstliche Intelligenz erfolgreich einsetzen und damit ihre Produktivität oder ihren Umsatz nachhaltig steigern können.
"Die KI-Euphorie ist ungebrochen, weshalb wir beim Investieren nüchtern bleiben müssen", so die Autoren. Attraktive Anlagechancen gebe es weiterhin – entscheidend werde jedoch zunehmend, "wie schnell die einzelnen Firmen von der KI profitieren können oder bereits profitieren". (dv)




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