Einen zweiten, landesweiten Lockdown wie im März wird es – zumindest für die größten Volkswirtschaften – nicht geben, glaubt Johannes Müller, Leiter "Macro Research" der DWS. Trotzdem dürfte die Covid-19-Pandemie die Wirtschaft noch für längere Zeit beeinträchtigen. "Wir rechnen damit, dass die Gegenmaßnahmen bleiben und alle Lockerungsmaßnahmen, falls erforderlich, wieder zurückgenommen werden", sagt Müller.

Die anfänglich V-förmige wirtschaftliche Erholung könnte sich im besten Fall in eine wesentlich flachere Kurve ansteigender wirtschaftlicher Aktivitäten verwandeln. Insgesamt geht der Experte nicht davon aus, dass die globale Wirtschaftsleistung vor 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird. Allein China könnte deutlich schneller sein.

Politische Pattsituation in den USA
In der Eurozone dürfte erst im kommenden Jahr der Wiederaufbaufonds für einen Aufschwung sorgen, von dem vor allem die stark betroffenen Länder Spanien und Italien profitieren werden. Für die USA äußert sich der Experte zurückhaltend. "Durch die schnelle erneute Öffnung wurde die Pandemie nie richtig unter Kontrolle gebracht", sagt Müller.

Aufgrund des politischen Stillstands in Washington wurden fiskalische Unterstützungsmaßnahmen zum Teil nicht verlängert. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob der Kongress Fortschritte macht, besonders in kritischen Bereichen wie der Verlängerung der Arbeitslosenhilfe. "Auch die US-Präsidentschaftswahl im November wird die politische Pattsituation nicht unbedingt beenden", glaubt der Experte. (fp)