Auf ihrer jüngsten Sitzung am gestrigen Mittwoch (22. September) gab die Fed keine substanziellen Änderungen in ihrer Geldpolitik bekannt – nutzte in ihrer Abschlusserklärung aber eine vielsagende Formulierung hinsichtlich ihres Anleihekaufprogramms: "Wenn die Fortschritte im Großen und Ganzen wie erwartet anhalten, ist der Ausschuss der Ansicht, dass eine Drosselung des Tempos der Ankäufe bald gerechtfertigt sein könnte." In der Pressekonferenz präzisierte Fed-Chef Jerome Powell, dass diese Drosselung schon in der nächsten Sitzung beschlossen werden und Mitte kommenden Jahres vollzogen sein könnte. "Das war sicherlich aggressiver, als es der Markt erwartet hatte", kommentiert Christian Scherrmann, Volkswirt der DWS.

Dass die Notenbank so rasch in Richtung Tapering umschwenken würde, hatten Investoren wohl auch deshalb nicht erwartet, weil die Wachstumsprognosen zugleich schlechter ausfielen als in vorangegangenen Sitzungen. Auf der anderen Seite deuten die aktualisierten volkswirtschaftlichen Vorhersagen darauf hin, dass die Inflation im laufenden Jahr höher liegt als ursprünglich gedacht. "Der bestehende Inflationsdruck könnte sich nach Ansicht der Fed als hartnäckiger erweisen als angenommen, zumal auch die Zahlen für 2022 leicht angehoben wurden", sagt Scherrmann.

Risikofaktor Staatspleite
Letztlich bleibt die Fed im Spannungsfeld zwischen nachlassender Wachstumsdynamik und steigenden Inflationsraten auf Kurs. Sie zeige sich zuversichtlich, dem eingeschlagenen Pfad Richtung geldpolitischer Normalisierung weiter zu folgen, sagt der DWS-Ökonom. "Durch die Anpassung der Konjunkturprognosen an die wirtschaftliche Realität hat die US-Notenbank die Tür für eine Ankündigung der Reduktion der Anleihekäufe im November geöffnet", erklärt er. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Arbeitsmarkt im laufenden Monat nach dem Ende der erweiterten Arbeitslosenunterstützung prosperiert.

Ein Risikofaktor bleibt auch die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA, wenn sich Demokraten und Republikaner nicht über die Höhe der Schuldenobergrenze einigen können. Sollte der Regierung tatsächlich ein Ausgabenstopp ins Haus stehen, müsste Powells Drehbuch wohl umgeschrieben werden, sagt Scherrmann. (fp)