Der US-amerikanische S&P 500 und der europäische Stoxx 600 starteten nach der Finanzkrise 2009 mit ähnlicher Marktkapitalisierung von etwas mehr als 0,5 Billionen Dollar. Doch seitdem lief die Wertentwicklung auseinander: Bis Ende 2024 stieg der S&P 500 auf einen Marktwert von 2,0 Billionen Dollar, der Stoxx 600 nur auf 1,1 Billionen Dollar. Thomas Bucher, globaler Aktienstratege bei der DWS, sieht nun erste Anzeichen einer möglichen Trendwende.

Geringere Konzentration in Europa
In den USA treiben Tech- und Kommunikationsriesen die Gewinne, die zehn größten Unternehmen stemmen inzwischen 32 Prozent des Gesamtgewinns – eine Konzentration auf Rekordniveau, verglichen mit 24 Prozent im Jahr 2009. In Europa ist die Lage inzwischen anders: Waren die europäischen Gewinne 2009 noch ähnlich konzentriert wie jenseits des Atlantiks, so tragen die zehn größten europäischen Unternehmen nur noch 16 Prozent der Gesamtgewinne des Stoxx 600 bei. Das wirke zunächst wie ein Nachteil, so Bucher, könne aber auch Resilienz bedeuten.

Bucher verweist auf die Finanzbranche, die in Europa lange die Kurse bremste, nun aber Treiber der Erholung ist. Sie stelle ein Drittel des Nettogewinns im Stoxx 600, sagt der Stratege. Auch Industrie und Gesundheitswesen spielten größere Rollen als in den USA. "Viele europäische Industriekonzerne, einst Aushängeschilder der Stärke, scheinen dagegen weiterhin mit strukturellen Problemen zu kämpfen", so der Aktienexperte.

Bewertung spricht für Europa
Bleibt die Frage: Hat Europa mit dem Stoxx 600 mehr zu bieten als bloße Diversifikation bei halbwegs vernünftiger Bewertung? DWS-Stratege Bucher meint: "US-Aktien sind klar überteuert. Aber gemessen am beeindruckenden zweistelligen EPS-Wachstum ist die Bewertung vielleicht noch nicht wirklich furchteinflößend." 

Gleichzeitig sieht er auf Unternehmensebene in Europa erste Lichtblicke. Gezielte Konjunkturimpulse – allen voran Deutschlands Infrastrukturprogramme – würden Wirkung zeigen. Doch es sei noch früh für eine klare Aussage. Und angesichts der jüngsten Stärke europäischer Aktienmärkte werde es entscheidend sein, ob sich die Ertragsdynamik beibehalten lässt. (jh)