Neben dem Handelsabkommen mit Großbritannien ist der Europäischen Union in letzter Minute ein weiterer Coup gelungen: Mit einem Investitionsabkommen wollen EU und China den internationalen Handel weiter befeuern. Nach Ansicht der DWS-Finanzexperten ist die Einigung für europäische Exporteure mindestens so bedeutend wie der Brexit-Deal.

Das neue Abkommen sorgt vor allem bei neuen Unternehmensinvestitionen für mehr Sicherheit und Transparenz. Demnach kann ein deutscher Mittelständler jetzt besser und freier entscheiden, ob eine neue Fabrik in China über ein eigenes Tochterunternehmen oder ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Partner entwickelt werden soll, schreibt die DWS. Zudem will China europäischen Unternehmen leichteren Zugang zu wichtigen Sektoren wie der Automobilbranche oder der Telekommunikation gewähren.

Handel mit China boomt
In den vergangenen Jahren hat der Handel mit China zunehmend an Bedeutung gewonnen: So sind die Exporte aus der Eurozone in die Volksrepublik in den letzten zwanzig Jahre um fast zwölf Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Die Ausfuhren in die USA zogen im gleichen Zeitraum nur um 1,8 Prozent an. Nach Ansicht von Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa bei der DWS, profitiere vor allem Deutschland von der wachsenden Nachfrage aus China. 

Im vergangenen Jahr gab es Monate, in denen die Bundesrepublik mehr Waren nach China als in die USA exportierte. "China wächst einfach deutlich stärker als die USA", sagt Moryson als Begründung. Der Absatzmarkt der Zukunft liege damit gerade für deutsche Produkte eher in China. (fp)