Das ist ja gerade noch einmal gutgegangen: Nachdem die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal leicht geschrumpft war, meldeten die Statistiker für das dritte Quartal eine leicht positive Bruttoinlandsprodukt- Wachstumsrate von 0,1 Prozent. Damit ist Deutschland nur knapp an einer – wohlgemerkt technischen – Rezession vorbeigeschrammt. Skeptiker wird diese Nachricht nicht beruhigen.

Viele scheinen zu denken: Zu viel Regulierung, überbordende Bürokratie, zu teure Sozialsysteme, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, allzu knausrige deutsche Finanzminister, übertriebener Fokus auf Umweltschutz, und so weiter: "Die Liste mit Argumenten ließe sich noch lange fortsetzen", schreiben die Investmentexperten der DWS. Europa werde eben nie mit dynamischen Volkswirtschaften, wie zum Beispiel den USA, mithalten können, so ist immer wieder zu vernehmen. "Die Älteren werden sich erinnern: Dieser pessimistische Befund, gerne ergänzt um angeblich erschreckend hohe Zahlen ausreisewilliger Akademiker, geistert seit den 1980ern durch Blätterwald und Fernseh-Talkshows gleichermaßen."

Wirtschaftswachstum pro Einwohner ist der bessere Maßstab
Ein Blick in die Wachstumsstatistiken des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeichnet laut DWS jedoch ein etwas differenziertes Bild. Betrachtet man die BIP-Wachstumsrate der gesamten Volkswirtschaft, liegen in der Tat die USA klar vorne. "Adjustiert um die Bevölkerungsentwicklung, also gemessen am Wirtschaftswachstum pro Einwohner, liegen die USA und Deutschland jedoch seit der Jahrtausendwende exakt gleichauf."

Und dies auch nur dank der gegenwärtigen Schwächephase in Deutschland – die vermutlich mehr mit Abschottung und Protektionismus in Washington als den politischen Entscheidungen in Berlin zu tun hat. Längerfristig bestehe also wenig Grund für übertriebenen Pessimismus, meinen die Experten der DWS Group. (kb)