Vielerorts scheint es, als sei die Covid-19-Pandemie vorerst überstanden. Die Beruhigung der Lage in Kontinentaleuropas vormaligen Krisenherden und die zunehmende Dynamik der Lockerungen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, mit welcher Wucht das Virus weiterhin weltweit tobt, sagt DWS-Stratege Stefan Kreuzkamp. Neben neuen Brandherden fällt auch die hartnäckig hoch bleibende Anzahl von Neuinfektionen in Großbritannien und den USA auf.

Der Ökonom rechnet zwar nicht damit, dass sich ein ähnlich breiter Lockdown wie im Frühjahr wiederholen wird. Trotzdem dürfte die globale Wirtschaftsleistung erst Ende 2022 ihren Stand von Ende 2019 wieder erreichen. "Protektionismus, De-Globalisierung, aber auch der weitere Siegeszug der Digitalisierung wurden durch die Krise noch verstärkt", sagt Kreuzkamp. Ähnlich prägend für die Wirtschaft könnte auch die Zunahme staatlicher Eingriffe sein. "Zusammen mit der rekordhohen Neuverschuldung der Staaten drohen hier Verzerrungen, die sich langfristig negativ auf das Potenzialwachstum auswirken dürften."

Aktien sind zu teuer
Trotz aller Unwägbarkeiten können Investoren auf den Aktienmärkten aber noch Renditen erzielen, ist der Ökonom überzeugt. Aktien notieren heute bereits weiter auf dem Stand vom November 2019, die US-Technologiebörse Nasdaq liegt seit Jahresbeginn sogar schon wieder deutlich im Plus. Damit "drückt sich einmal mehr den Siegeszug der Technologiewerte aus, dem sich dank Corona der Gesundheitssektor angeschlossen hat", sagt Kreuzkamp.

Diese Sektoren bleiben deshalb seine Favoriten – zumindest aus relativer Sicht. "Aus absoluter Sicht müssen wir uns schon sehr strecken, um die jetzigen Bewertungen zu rechtfertigen, was auch für den gesamten Markt gilt", sagt der Experte. Unterstellt man für 2022 das gleiche Gewinnniveau wie 2019 und diskontiert das auf die Gegenwart, liegt die Bewertung (KGV) etwa des US-Index S&P 500 über dem Vorkrisenniveau. (fp)