"Die Zukunft war früher auch besser", wusste schon Karl Valentin. "Dieser Befund könnte momentan für die deutsche Wirtschaft gelten", meint DWS-Chefvolkswirt Martin Moryson: Die nach vorne schauenden, umfragebasierten Indikatoren zeichneten ein deutlich dunkleres Bild als die harten Daten, die über die abgelaufenen Perioden berichten.

Die deutsche Industrie schwächelt. "Als exportstarke Nation leidet Deutschland aktuell besonders unter dem Handelsstreitigkeiten mit den USA", meint Moryson. Das betreffe vor allem die Autoindustrie: Sie fürchtet weitere Strafzölle in Höhe von 25 Prozent und sieht sich zudem einer zunehmend gesättigten Nachfrage gegenüber. China fragt seit einiger Zeit sogar weniger Autos nach. Schwierige Zeiten für Deutschlands Industrie – die jedoch nicht für eine Rezession sprechen, ist 

Seiner Meinung nach federn die gute Stimmung im deutschen Dienstleistungssektor und unter Verbrauchern die Schwächephase der Industrie ab. Der Beschäftigungsstand ist hoch, die Arbeitslosenquote niedrig, und die Löhne steigen. Das Immobiliengeschäft brummt. Auch wirtschaftspolitisch gibt es Hoffnung: Der Brexit könnte positiver für die Wirtschaft ausgehen als erwartet und Asiens Konjunktur erholt sich langsam nach einem schwierigen vergangenen Jahr.

Industrieschwäche ja, Rezession nein
Die entscheidende Frage ist laut Moryson: "Kann sich das Konsumentenvertrauen so lange auf hohem Niveau halten, bis die Industrie sich wieder erholt hat?" Es kann, ist er überzeugt. Ein Blick auf die aktuelle Entwicklung des Dax spiegele diese Zuversicht wider. Lediglich die spezifischen Probleme der Autoindustrie könnten die deutsche Wirtschaft langfristig belasten. (fp)