Die US-Börse lässt sich einfach nicht aus dem Tritt bringen. Der schwelende Handelsstreit mit China und Europa, der drohende Brexit oder die Anzeichen eines globalen Wirtschaftsabschwungs konnten den marktbreiten Börsenindex S&P 500 nicht daran hindern, zuletzt einen neuen Höchststand zu markieren. Ganz anders sieht das Bild in Europa aus: Dort ist der Euro Stoxx 50 mit den Aktien der größten Unternehmen aus der Eurozone ein gutes Stück entfernt von seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2015. 

Einen zentralen Grund für die transatlantische Schere sehen Experten der DWS im deutlich stärkeren Gewinnwachstum der US-Unternehmen in den vergangenen Jahren. "Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich US-Firmen nach der Krise früher auf den 'Shareholder Value' konzentriert haben – eine Strategie, die dem Mehrwert für den Aktionär oberste Priorität einräumt, etwa durch rigidere Kosteneinsparungen", sagt Thomas Bucher, Aktienstratege der DWS.

Weitere Gründe fürs Auseinanderdriften
Das Auseinanderdriften der Firmenerträge in den USA und Europa habe sich durch die "Krise nach der Krise" noch verschärft: "Kaum war das globale Finanzmarktbeben einigermaßen bewältigt, gerieten hochverschuldete Länder in der Eurozone in Schieflage," sagt Bucher. Zudem hat auch der Branchenmix dem US-Markt geholfen, seinen Vorsprung auszubauen: Im S&P 500 sind Dienstleistungsfirmen und Unternehmen mit digitalen Geschäftsplattformen deutlich stärker vertreten als im Euro Stoxx 50, wo die Schwergewichte aus traditionellen Branchen wie Energie, Chemie und Pharma stammen. 

Damit europäische Aktien besser laufen als amerikanische muss sich folglich etwas ganz Grundsätzliches ändern: "Sie müssen profitabler werden", sagt Bucher. "Europäische Aktien müssen einfach deutlich besser werden, aus einem Euro Umsatz liquide Mittel für Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe zu generieren." (fp)