Vermögensverwalter finden derzeit viele Gründe, ihre Gold-Positionen im Depot zu reduzieren. Die drei wichtigsten: Gold zahlt keine Zinsen. Der Goldpreis fällt. Und er hat sich zuletzt auch nicht erholt, obwohl neue Krisen ausgebrochen sind. Der Vermögensverwalter Rolf Ehlhardt von der I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung in Mannheim hält dagegen: Die Argumente seien ebenso alt wie fasch.

Stattdessen täten Anleger gut daran, ihre Gold-Positionen aufzustocken, empfiehlt er in einem aktuellen Marktkommentar. Warum? Um sich gegen eine mögliche neue weltweite Krise zu wappnen. Wenn ein Krisenherd quasi "über Nacht" ausbreche, könnte ein geordnetes Aufspringen auf einen neuen Gold-Trend nur schwer möglich sein, schreibt Ehlhardt. "Den schwächelnden Renten- und Aktienmärkten steht dann kein im Kurs steigendes Goldengagement gegenüber." Angesichts der aktuellen Krisenherde hält er eine Position von zehn bis 20 Prozent an Edelmetallen für vernünftig.

Gold zahlt keine Zinsen? Rentenpapiere auch nicht. 
Ehlhardt reiht sich damit ein in die Reihe der Skeptiker, die ein mögliches Ende der jahrelangen Hausse an den Aktienmärkten befürchten. Er nennt darüber hinaus aber weitere Gründe für einen Goldkauf. Erstens sei die Tatsache, dass das Edelmetall keine Zinsen erwirtschaftet, derzeit irrelevant. Schließlich seien mit vermeintlich sicheren festverzinslichen Papieren angesichts des niedrigen Zinsniveaus aktuell reale Verluste garantiert. Gold behalte dagegen seine Kaufkraft, mache zudem keine Schulden.

Zweitens spiele auch die reine Performance-Betrachtung keine große Rolle für Golds-Käufer, da diese in erster Linie einer Versicherung gegen hohe Geldwertverluste erwerben würden. Daher komme es nicht darauf an, zu welchem Preis gekauft wird – und ob sich die Sache aus Renditesicht lohnt: "Gold ist eine Versicherung gegen Kapitalmarktkrisen, verbunden mit der Hoffnung, dass man sie nicht benötigt", schreibt Ehlhardt. 

Edelmetalle bleiben Krisenanker
Und schließlich sei auch das dritte Argument der Gold-Kritiker falsch. Dieses besagt, das Edelmetall habe seinen Nimbus als Krisenanker eingebüßt. So sei beispielsweise der von den USA angezettelte Handelskrieg keine große Sache, betreffe er doch höchstens ein Prozent des Welthandels. Zugleich gebe es den Mechanismus der Flucht in Gold noch immer: "Der Anstieg des Goldpreises in türkischer Lira (seit 2017 fast verdoppelt) beweist, wohin die Anleger flüchten, wenn sie Angst um ihr Geld haben", so Ehlhardt. Daran sollten Anleger mit Blick auf die hohe Staatsverschuldung und eine mögliche Zinswende denken, die in Kombination möglicherweise einen "perfekten Sturm" auslösen könnten. (fp)