"Doppelte Unsicherheit": Nahostkonflikt bringt Lagarde ins Grübeln
Der Nahostkonflikt erschwert der EZB die geldpolitische Orientierung. Präsidentin Christine Lagarde sieht vor allem zwei Unsicherheiten – und mahnt zur Vorsicht bei voreiligen Entscheidungen.
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat erklärt, dass zwei zentrale Faktoren im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg die Ausarbeitung einer geldpolitischen Reaktion erschweren. Die Dauer der Störungen sowie mögliche Auswirkungen steigender Energiepreise auf die breitere Inflation verkomplizieren laut Lagarde die Arbeit der EZB. Das sagte sie am Montag (20.4.) in Berlin.
"Diese doppelte Unsicherheit hinsichtlich der Dauer des Schocks und der Breite der Weitergabe spricht dafür, zunächst mehr Informationen zu sammeln, bevor wir feste Schlussfolgerungen für unsere Geldpolitik ziehen“, sagte sie beim Jahresempfang des Bundesverbands deutscher Banken.
Eskalation im Nahen Osten erhöht Unsicherheit
Ihre Aussagen folgen auf eine Zuspitzung der Spannungen im Nahen Osten am Wochenende. Ein Patt um die Straße von Hormus droht die globale Energiekrise zu verschärfen und dämpft Hoffnungen auf ein rasches Ende der Kämpfe.
"Die Stop-and-go-Natur des Konflikts – Krieg, Waffenstillstand, Friedensgespräche, deren Scheitern, eine Seeblockade, ihre Aufhebung, ihre Wiedereinführung – macht es außerordentlich schwierig, Dauer und Tiefe der Folgen abzuschätzen", sagte Lagarde.
EZB prüft Auswirkungen auf Inflation und Wachstum
Die Währungshüter analysieren weiterhin die Folgen höherer Energiekosten und geopolitischer Unsicherheiten. Bei der Sitzung in diesem Monat dürften sie die Füße stillhalten, während Investoren im weiteren Jahresverlauf mit Zinserhöhungen rechnen.
"Klar ist, dass es keinen einfachen Weg zurück zu der Situation gibt, die vor Ausbruch dieses Konflikts bestand", sagte Lagarde. Dennoch habe man "bislang keine Energiepreisanstiege gesehen, die uns klar in unser Negativszenario treiben".
Märkte setzen auf begrenzte Dauer der Störung
Während Ölpreise am Spotmarkt und in den Terminmärkten über den Annahmen der EZB liegen, "scheinen die Märkte darauf zu setzen, dass die Störung nur von kurzer Dauer ist", so Lagarde. Die Gaspreise liegen sogar unter dem Basisszenario, und es gebe bislang nur begrenzte Hinweise auf Störungen in den Lieferketten.
Für den Euroraum wird erwartet, dass die Inflation in diesem Monat in Richtung drei Prozent anzieht, während Unternehmensumfragen für April wohl eine weitere Abschwächung der Aktivität zeigen werden. Damit steigt das Risiko stagflationärer Entwicklungen.
Für Lagarde bleibt das wirtschaftliche Umfeld "zutiefst unsicher". Die EZB sei jedoch bereit zu handeln, sobald ausreichend Informationen vorlägen und die Lage es erfordere. "Unser Engagement und unser Kompass sind klar", sagte sie. (mb/Bloomberg)















