Der US-Dollar hat das Jahr 2025 mit dem kräftigsten jährlichen Rückgang seit acht Jahren beendet. Investoren gehen davon aus, dass die US-Währung weiter unter Druck gerät, sollte der nächste Chef der US-Notenbank wie erwartet auf deutlichere Zinssenkungen setzen.

Der "Bloomberg Dollar Spot Index" fiel im Jahresverlauf um rund acht Prozent – und Händler wetten auf weitere Schwäche. Nachdem der Greenback im April im Zuge der von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle deutlich nachgegeben hatte, gelang keine nennenswerte Erholung. Das lag unter anderem an der Erwartung, dass Trump einen eher taubenhaften Nachfolger für Fed-Chef Jerome Powell benennen wird, dessen Amtszeit im Mai 2026 endet.

Fed-Nachfolge rückt in den Fokus der Märkte
"Der wichtigste Faktor für den Dollar im ersten Quartal wird die Fed sein", sagt Yusuke Miyairi, Devisenstratege bei Nomura. "Und dabei geht es nicht nur um die Sitzungen im Januar und März, sondern auch darum, wer nach dem Ende der Amtszeit von Jerome Powell Fed-Chef wird."

Da für 2026 mindestens zwei Zinssenkungen eingepreist sind, entfernt sich der geldpolitische Kurs der Fed von dem einiger anderer Industrieländer. Das schmälert die Attraktivität des Dollar. Laut Daten der Commodity Futures Trading Commission, die am Mittwoch (31.12.) veröffentlicht wurden, haben Händler ihre Wetten auf einen fallenden Dollar in der Woche bis zum 23. Dezember weiter ausgebaut. Optionen deuteten auf zusätzliche Schwäche im Januar hin, mit einer gewissen Beruhigung in den Folgemonaten.

Euro legt zu – andere Länder im Zinserhöhungsmodus
Der Euro hat gegenüber dem Dollar deutlich zugelegt. Gedämpfte Inflation und eine bevorstehende Welle europäischer Verteidigungsausgaben haben dazu geführt, dass Zinssenkungswetten im Euroraum nahezu bei null liegen. In Kanada, Schweden und Australien setzen Händler derweil auf Zinserhöhungen.

Trump hält Fed-Personalie offen
Trump hatte zuletzt angedeutet, dass er einen bevorzugten Kandidaten für die Nachfolge Powells habe, betonte jedoch, es bestehe keine Eile für eine Entscheidung. Zugleich spielte er mit dem Gedanken, den amtierenden Notenbankchef zu entlassen.

Als Favorit gilt seit Langem der Direktor des National Economic Council, Kevin Hassett. Trump zeigte zudem Interesse an dem früheren Fed-Gouverneur Kevin Warsh. Auch die Fed-Gouverneure Christopher Waller und Michelle Bowman sowie Rick Rieder von Blackrock werden als mögliche Kandidaten gehandelt.

"Hassett wäre weitgehend eingepreist, da er seit einiger Zeit als Favorit gilt. Warsh oder Waller hingegen würden wahrscheinlich nicht so schnell die Zinsen senken, was für den Dollar günstiger wäre", sagt Andrew Hazlett, Devisenhändler bei Monex.

Zweifel an langfristigen Dollar-Prognosen
"Ein langfristiger Aufwärtstrend in Kombination mit einem Dollar, der in den vergangenen Jahren als überbewertet galt, hat dazu geführt, dass der Konsens seit neun Jahren eine anhaltende Dollar-Schwäche gegenüber dem Euro prognostiziert – mit derselben Erwartung für 2026", sagt Skylar Montgomery Koning, Makrostratege bei "Bloomberg". Tatsächlich habe sich EUR/USD in sechs dieser Jahre jedoch abgeschwächt, was aus seiner Sicht ein doppeltes Problem dieser Einschätzung offenlege: Zum einen sei Bewertung ein schlechter Indikator für Kursbewegungen. Zum anderen liefen Konsensprognosen dem Kassakurs häufig hinterher und lieferten damit nur verzögerte Signale. (mb/Bloomberg)