Die Covid-19-Pandemie hat einige Gewinner hervorgebracht und viele Verlierer. Zu Letzteren gehört überraschenderweise auch der Gesundheitssektor, sagt Maximilian-Benedikt Köhn, Portfoliomanager bei DJE Kapital. Was zunächst widersinnig klingt, ergibt auf den zweiten Blick Sinn: "Patientenbesuche blieben aus, und so wurden Untersuchungen, Operationen oder Therapien verschoben, Medikamente nicht verschrieben", berichtet Köhn. Die erschreckende Vielzahl an Sterbefällen in auch privat betrieben Pflegeheimen tat ihr Übriges. Resultat: Der Branchenindex MSCI Healthcare blieb in Euro gerechnet in den ersten vier Monaten dieses Jahres fünf Prozent hinter dem breiten Aktienmarkt zurück. Die gute Nachricht: Der Sektor hat Aufholpotenzial, das sich nach dem Ende der Pandemie entladen dürfte.

"Die ersten Quartalszahlen dieses Jahres deuten bereits auf eine starke Erholung hin, besonders in den USA und Asien", sagt Köhn. Die Erholung dürfte allerdings differenziert ausfallen. So gibt es im Gesundheitssektor durchaus Profiteure der Corona-Krise. Neben Impfstoffproduzenten seien das etwa Diagnostika-Hersteller und spezialisierte T-Dienstleister, erklärt der DJE-Fondsmanager. Ist die Krise erst vorbei, wird sich ihr Geschäft wohl wieder schwächer entwickeln. "Der Rückenwind der Diagnostika-Hersteller durch Covid-19-Tests hielt im ersten Quartal 2021 noch an. Allerdings könnte sich der Wind mit fortschreitendem Impferfolg im Laufe des Jahres drehen", sagt Köhn.

Kapazitäten ausbauen statt Patente freigeben
Die Diskussion über die Freigabe von Impfstoff-Patenten betrachtet der Fondsprofi derzeit nicht als ernste Bedrohung. "Mit dem Patent allein ist es nicht getan", erklärt er. So seien erstens die Kapazitäten für die Impfstoffproduktion derzeit rund um den Globus ausgeschöpft – zusätzliche Hersteller könnten also zunächst gar nicht den Betrieb aufnehmen. Zweitens sei sowohl die Herstellung als auch die Lagerung von mRNA-Vakzinen sehr aufwändig und komplex und damit kaum auf die Schnelle zu erweitern. "Auch hier sind die Kapazitäten am Anschlag", so Köhn. Generell sollten die Innovationskraft der Firmen Biontech und Moderna, ihre Investitionen in die Impfstoffentwickelung und das unternehmerische Risiko, das sie damit eingegangen sind, nicht bestraft werden, fordert er. (fp)