Ein ungeregelter Brexit Ende Oktober wäre für die Bundesrepublik besser als weitere Verzögerungen, findet Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, aus dem der "Spiegel" zitiert, hat er nun ausgeführt, dass die anhaltende Unsicherheit das größere Risiko sei. Die deutschen Exporte nach Großbritannien und Irland seien deshalb bereits gesunken. Er bevorzuge nun ein "Ende mit Schrecken" statt eines "Schreckens ohne Ende". Deutsche Unternehmen seien ohnehin bereits dabei, sich neu zu orientieren, argumentiert Fratzscher. 

Anders als zum Beispiel die Bertelsmann-Stiftung, die bei einem No-Deal-Brexit für Deutschland Einkommensverluste von 9,5 Milliarden Euro pro Jahr erwartet, glaubt der DIW-Chef, dass der deutsche Verbraucher mit geringen Kosten davonkommt. Das britische Unterhaus möchte den geplanten EU-Austritt momentan von Ende Oktober auf Ende Januar verschieben. Es gilt als wahrscheinlich, dass die EU einem entsprechenden Antrag Londons folgt.

Chaos verhindern
Fratzscher betont, dass es im beiderseitigen Interesse sei, Chaos durch weitere Verzögerungen zu verhindern. Das Argument, man solle am Brexit zeigen, wie wenig sich ein EU-Austritt für das betreffende Land lohne, gilt seiner Ansicht nach nicht mehr. Kein anderes Land wolle Großbritanniens Chaos der letzten drei Jahre wiederholen, argumentiert Fratzscher. Er glaubt, dass London nach einem No-Deal-Brexit ganz besonders unter Druck stehen wird, ein rasches Freihandelsabkommen mit der EU auszuhandeln. (fp)