Dividendenaktien müssen bei steigenden Zinsen nicht automatisch unterdurchschnittlich abschneiden, sagt Nick Clay, Anlageexperte bei BNY Mellon. Zwar sinkt die Attraktivität von Dividendenrenditen relativ zu Zinserträgen auf dem Papier, sobald die Zinsen steigen. Aber deshalb müssen die Kurse der Dividendentitel nicht automatisch sinken. Anleger sollten zunächst auf die Gründe für den Zinsanstieg schauen. "Wenn der Zinsanstieg in der allmählichen Rückkehr des Wirtschaftswachstums, in einer aufkeimenden Inflation oder im 'perfekten' Goldlöckchen-Szenario begründet liegt, dann ist es richtig, dass Qualitätswerte mit niedriger Volatilität unterdurchschnittlich abschneiden", sagt der Anlageprofi.

Anders sieht es aus, wenn sich der Wirtschaftszyklus dem Ende zuneigt. In diesem Umfeld gehen steigende Zinsen damit einher, dass sich das Wirtschaftswachstum allmählich abschwächt. Kommen Ängste vor einer aufflammenden Inflation hinzu, spielen wachstumsarme Qualitätswerte ihre Stärken aus. "Sie werden dann überdurchschnittlich abschneiden, während 'Sex and Violence'-Titel – also wachstumsstarke oder hyperdynamische Aktien eher niedrigerer Qualität – hinter dem Markt zurückbleiben", sagt Clay.

Einbahnstraße des Wachstums endet
Das Jahr 2017 hatte laut Clay noch ein "perfektes" Goldlöckchen-Umfeld geboten. Zwischen Ende 2016 und Anfang 2018 legten Aktien 15 Monate in Folge zu. "Die Kurse fielen einfach nicht. Der maximale Verlust belief sich auf lediglich zwei Prozent", so der Anlageexperte. Das lang anhaltende Wachstum ende nun jedoch allmählich. Anleger müssen sich deshalb darauf zurückbesinnen, in welcher Phase des Zyklus sie sich derzeit befinden, sagt Clay. (fp)