Die Regierung hat nicht dafür bezahlt, und sie plant auch nicht, sie zu verkaufen. Doch für das US-Finanzministerium, das inzwischen auf Milliarden Dollar an gehorteten Bitcoin-Token sitzt, hat der jüngste Ausverkauf eine unbequeme Lektion geliefert: Er zeigt, was es bedeutet, "digitales Gold" wie einen Reservewert zu behandeln – und ob der notorisch volatile Token tatsächlich die Rückendeckung der größten Volkswirtschaft der Welt verdient.

Seit US-Präsident Donald Trump im vergangenen März per Dekret die Einrichtung einer strategischen Bitcoin-Reserve angeordnet hat, ist der Marktwert der staatlichen Bestände eingebrochen. Bitcoin fiel am Donnerstag (5.2.) zeitweise bis auf 60.033 Dollar. Zwar erholte sich die Kryptowährung am Freitag (6.2.) wieder, doch sie ist weiterhin so wenig wert wie zu keinem Zeitpunkt seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit.

Milliardenbestand – aber kaum Transparenz
Die USA legen nicht offen, wie viel Bitcoin sie genau halten. Das Research-Unternehmen Arkham Intelligence schätzt jedoch, dass die Regierung aktuell rund 328.372 Bitcoin besitzt – gegenüber etwa 200.000 Coins im März. Die Zahl könnte sowohl Vermögenswerte umfassen, die noch aus Strafverfahren in der Schwebe sind, als auch reservegebundene Bestände.

Beim Tief am Donnerstagmorgen (5.2.) lag der Marktwert bei etwa 21,3 Milliarden Dollar. Auf dem Höchststand im vergangenen Oktober wären die Bestände 41,1 Milliarden Dollar wert gewesen. Die Zahlen spiegeln einen Mark-to-market-Rückgang wider. Token, die Teil der Reserve sind, stammen aus strafrechtlichen Beschlagnahmungen und zivilrechtlichen Strafzahlungen – nicht aus Käufen mit Steuergeld – und sind nicht zum Verkauf vorgesehen.

Kalifornische Senatorin verlangt Antworten
Während Trumps Dekret den Behörden 60 Tage Zeit gab, die Reserve formal umzusetzen, verlief der Start auffallend leise, und die Details sind spärlich. Das steht im deutlichen Kontrast zur triumphalen Krypto-Rhetorik, die Trumps Rückkehr ins Weiße Haus begleitet hatte. Er bezeichnete die Reserve als "ein virtuelles Fort Knox für digitales Gold".

Das Weiße Haus hat bislang wenig über seine Bitcoin-Strategie offengelegt. Doch das Thema geriet am Mittwoch (4.2.) in den Fokus einer angespannten Anhörung im Finanzausschuss des Repräsentantenhauses, bei der Finanzminister Scott Bessent aussagte. Der kalifornische Abgeordnete Brad Sherman fragte Bessent, ob seine Behörde Steuergelder einsetzen könne, um Bitcoin zu kaufen. Bessent entgegnete, die strategische Reserve sei ein Vermögenswert der US-Regierung, die zunächst Kryptowährungen im Wert von 500 Millionen Dollar aus Beschlagnahmungen gehalten habe – und deren Wertsteigerung beobachtet habe.

Regierung bleibt trotz Volatilität auf Kurs
Das Weiße Haus erklärte, die Ereignisse dieser Woche hätten die Position nicht verändert. "Volatilität in einem freien Markt, in dem die Regierung keine Preise festsetzt, wird das Engagement der Trump-Regierung nicht ändern, die amerikanische Dominanz in Kryptowährungen und anderen Zukunftstechnologien sicherzustellen", sagte Sprecher Kush Desai. Der Zeitpunkt des Kursrutsches ist politisch heikel. Trump und seine Verbündeten haben darauf gedrängt, Bitcoin als strategischen US-Vermögenswert zu positionieren – als digitales Gegenstück zu Gold.

Doch in den Monaten seit der Unterzeichnung des Dekrets hat die makroökonomische Erzählung von Bitcoin als Absicherung gegen globale Stressphasen an Kraft verloren. Während Gold seit März um 69 Prozent gestiegen ist, konnte Krypto trotz eines schwächeren Dollars und wachsender geopolitischer Risiken keine Zuflüsse als "sicherer Hafen" anziehen. Stattdessen verzeichneten Bitcoin-ETFs zuletzt hohe Abflüsse.

Kritik an "Ponzi-ähnlichen" Reservewerten
Die Senatorin Cynthia Lummis aus Wyoming hat gefordert, die USA sollten ihre Bitcoin-Position ausbauen – sogar durch den Verkauf von Goldreserven. Doch dieses Argument wird schwieriger, je stärker der Token schwächelt und die Volatilität hoch bleibt. "Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, wenn die Vereinigten Staaten eine Reserve an Vermögenswerten halten, die im Kern Ponzi-ähnlich sind", sagte Hilary Allen, Juraprofessorin an der American University Washington College of Law und langjährige Krypto-Skeptikerin. Jeder Versuch, sie tatsächlich einzusetzen, werde den Preis drücken. "Es war von Anfang an ein Fehler, eine strategische Bitcoin-Reserve aufzubauen", so Allen.

Einige Unterstützer halten die Reserve dennoch weiterhin für eine gute Idee – trotz des jüngsten Einbruchs. "Alles, was der Staat hält, sollte als strategischer Vermögenswert Sinn ergeben, und Bitcoin ist das einzige digitale Asset, das überhaupt in die Nähe eines monetären Wertspeichers kommt", sagte Jeff Dorman, Chief Investment Officer des Digital-Asset-Managers Arca. "In dieser Hinsicht haben sie es richtig gemacht."

Sicherheitsrisiken bei staatlicher Verwahrung
Die US-Bestände bringen zudem besondere Verwahr- und Sicherheitsprobleme mit sich. Im Januar erklärte der United States Marshals Service, der Kryptowährungen verwahrt, die von Bundesbehörden beschlagnahmt wurden, man untersuche einen möglichen Hack von digitalen Vermögenskonten der US-Regierung. (mb/Bloomberg)