Gerhard Grandke, seines Zeichens Präsident des Sparkassenverbandes Hessen-Thüringen, ist die Europäische Zentralbank (EZB) und die deutsche Bankenaufsicht scharf angegangen. Auf einer Veranstaltung mit Journalisten, auf der die "Frankfurter Allgemeine Zeitung‘" (FAZ) anwesend war, holte er zu einer saftigen Rundum-Kritik an beiden Institutionen aus.

So habe Grandke auf die Frage, ob die EZB nach den in der vergangenen Woche noch tiefer gesenkten Zinsen und der Neuauflage des Anleihekaufprogramms als nächstes Geld aus dem Hubschrauber abwerfen könnte, geantwortet, dass die EZB in einem solchen Falle "unter demokratische Kontrolle" gehöre. Seiner Meinung nach sei der 1992 geschlossene Maastrichtvertrag, der gerade keine Transferunion innerhalb der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion vorsehe, eine "Lebenslüge". Mit ihren Anleihekäufen betreibe die EZB versteckte Staatsfinanzierung, damit gebe es de facto eine Transferunion, so Grandke.

Antibiotika und EZB
Der Sparkassenfunktionär verglich ferner die lockere Geldpolitik der EZB mit Antibiotika und deren Nebenwirkungen. "Natürlich war die Erfindung der Bakterienkiller eine hervorragende Sache. Antibiotika haben unzählige Menschenleben gerettet", zitiert die FAZ Grandke. "Aber die segensreiche Wirkung wird immer öfter in ihr Gegenteil verkehrt." Viele Bakterienstämme sind bekanntlich resistent gegen die Medikamente geworden, sodass diese nicht mehr wirken. "Am Anfang war die Geldpolitik ein gutes Mittel, um die Auswirkungen der Weltfinanzkrise zu bekämpfen", schlug er den Bogen zur Zentralbank. Dann aber habe die EZB ihrer eigenen Medizin nicht getraut. "Trotz der wirtschaftlichen Erholung hat sie die Zinsen im Keller und die geldpolitischen Schleusen weit offen gelassen", kritisierte er.

Die Folge: Die Wirtschaftsentwicklung lahme im Moment, die niedrigen Zinsen verliehen ihr keine Impulse mehr. "Was will die EZB – Stichwort Resistenzen – eigentlich machen, wenn die Wirtschaft mal wirklich richtig krank werden sollte?", wundert sich Grandke.

Kritik an Bafin-Präsident
Einmal in Fahrt, wandte sich Grandke auch an die Adresse von Felix Hufeld. Der Präsident der Bankenaufsichtsbehörde Bafin hat mehrfach gefordert, die deutschen Geldhäuser müssten ihre "Opfermentalität" ablegen und in der Niedrigzinsphase stärker auf Gebühreneinnahmen und neue Geschäftsideen setzen. Grandke verwies laut FAZ nun darauf, dass bei den Sparkassen der Anteil der Provisionen an den Gesamterträgen schon zu Lasten des Zinsüberschusses seit 2008 von 22 auf 28 Prozent gestiegen sei.

"Der Wert wird bei uns aber nie die 60 Prozent plus X der amerikanischen Investmentbanken erreichen, die der Bafin-Präsident gerade lobend hervorgehoben hat", so Grandke. Zudem erinnerte er daran, dass gerade der provisionsgetriebene Verkauf von Hypothekenanleihen, etwa durch die Bank Lehman Brothers ,die Finanzkrise 2008 ausgelöst hat. (jb)