Der seit einigen Jahren andauernde Boom bei Baufinanzierungen in Deutschland hält an – trotz oder gerade wegen Corona: Das Neugeschäft der Banken und Sparkassen kletterte 2020 um zehn auf 273 Milliarden Euro. Die Zinserträge der Kreditfinanzierer erreichen fast 15 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Laufzeit neuer Kredite liegt erstmals über elf Jahren, wie aus einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) hervorgeht. 

"Die Verunsicherung durch die Corona-Pandemie hält die Bauzinsen auf einem Allzeittief. Angesichts der attraktiven Konditionen und auf der Suche nach sicheren Häfen legen die Menschen ihr Geld zunehmend in Immobilien an. Der Trend zum Homeoffice dürfte diese Entwicklung mittel- bis langfristig noch verstärken", kommentiert Tomas Rederer, Partner und Head of Financial Services Operations Consulting bei PWC Deutschland.

Neuer Volumenrekord
Dieser Run auf Immobilienkredite sorgte auch dafür, dass deren Bestand bei Banken und Sparkassen im vergangenen Jahr auf den neuen Höchststand von knapp 1,4 Billionen Euro kletterte – nach 1,3 Billionen Euro Ende 2019. Damit sind Baufinanzierungen laut PWC mit einem Plus von 6,6 Prozent die Kreditkategorie mit dem höchsten Wachstum seit 2004. Zudem stiegen die jährlichen Nettozinserträge nach Refinanzierungskosten in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 50 Prozent auf fast 15 Milliarden Euro. Das entspreche einem Anteil von 18 Prozent an den gesamten Nettozinserträgen der Häuser.

Die Laufzeiten neu ausgereichter Baukredite verlängern sich ebenfalls: Der Anteil der Finanzierungen über zehn Jahre und mehr lag 2020 bei 49,5 Prozent nach 49 Prozent im Vorjahr. 2009 betrug der Anteil lediglich 25 Prozent. Die durchschnittliche Laufzeit neuer Baukredite stieg im vergangenen Jahr erstmals über elf Jahre.

Hypothekenbanken als Gewinner
Von der gestiegenen Nachfrage in den vergangenen Jahren profitieren aber nicht alle gleich: Von 2015 bis 2020 bauten die Hypothekenbanken ihren Marktanteil im Baufinanzierungsgeschäft um 0,4 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent aus. Am stärksten legten die Genossenschaftsbanken mit plus 1,4 Prozentpunkte auf 25 Prozent zu. Die Bausparkassen gewannen 0,7 Prozentpunkte auf 12,7 Prozent. Während die Privatbanken nach wie vor unverändert 26,6 Prozent halten und ging der Marktanteil der Sparkassen von 2015 bis 2020 um 0,4 Prozentpunkte auf 30,8 Prozent zurück. (jb)