Befindet sich die Welt an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter? Die Ökonomen der Deutschen Bank sagen: ja. Ihrer Einschätzung nach wird der Übergang in eine neue Ära vor allem von Chaos gekennzeichnet sein; sie prophezeien ein "Zeitalter der Unordnung". Das liegt vor allem daran, dass die Globalisierung voraussichtlich an Kraft verliert – nachdem sie 40 Jahre lang der wichtigste Treiber hinter Wirtschaftswachstum und steigenden Vermögenspreisen war.

Die Ökonomen rund um Jim Reid sehen die Welt am Anfang eines neuen "strukturellen Superzyklus, der alles prägt, von den Volkswirtschaften bis hin zu den Vermögenspreisen, der Politik und unserer Lebensweise insgesamt". Die Covid-19-Pandemie betrachten sie nicht als Ursache für diese Entwicklung, wohl aber als wichtigen Beschleuniger.

The Age of Aquarius?
Insgesamt haben die Deutsche-Bank-Experten neun Thesen postuliert, die das "Zeitalter der Unordnung" prägen könnten: Erstens erwarten sie steigende Spannungen zwischen den USA und China und damit ein Ende der ungezügelten Globalisierung und einen Wiederaufstieg Chinas zur wirtschaftlichen Großmacht. Zweitens prophezeien sie eine Art Showdown für Europa: Die EU-Mitglieder müssen eine klare gemeinsame Vision finden, oder die Gemeinschaft könnte zerbrechen. Drittens sagen die Volkswirte noch höhere Schulden voraus. Eine extrem lockere Geldpolitik bis hin zum Helikoptergeld könnte Normalität werden. Davon abhängig die vierte These, eher eine Frage: Inflation oder Deflation?

Die fünfte These: Die gesellschaftliche Ungleichheit nimmt weiter zu, ehe es zu einer Gegenreaktion kommt und die Lage sich einpendelt. Sechstens dürfte auch die Kluft zwischen den Generationen tiefer werden. Siebtens wird sich die Klimadebatte wohl weiter verschärfen, prognostizieren die Ökonomen. "Der größte Fehler bestünde in den kommenden Jahren darin, die Trends der Vergangenheit einfach fortzuschreiben", warnen sie. (fp)