US-Präsident Joe Biden ist bei seinem Plan, die Vereinigten Staaten mit einem gewaltigen Fiskalpaket aus der Coronakrise zu führen, einen großen Schritt weitergekommen. Das Repräsentantenhaus hat dem Paket mit einem Umfang von sage und schreibe 1,9 Billionen US-Dollar (rund 1,6 Billionen Euro) vor einigen Tagen zugestimmt, nun muss noch der Senat nachziehen. Die fiskalische Unterstützung könnte allerdings zu viel des Guten sein, befürchtet Peter Hooper, Chefökonom von Deutsche Bank Securities – zumal, da Ex-Präsident Donald Trump erst im Dezember 900 Milliarden US-Dollar an Finanzhilfen aufgebracht hatte. Seiner Ansicht nach ist es nun Zeit für die Notenbank, zu handeln.

"In meinen Augen müssen die Verantwortlichen der Fed deutlich früher den Fuß vom 'monetären Gaspedal' nehmen, als sie bis jetzt zugeben", sagt Hooper im Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). Zwar dürfte die Inflation zunächst nicht überschießen. Wenn sie es tut, wird es aber gefährlich, warnt Hooper: "Manche werden sich noch an die sechziger und siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und daran erinnern, wie schwierig die Inflationsbekämpfung werden kann, sobald der Preisauftrieb vom Arbeitsmarkt ausgeht." Dann bleibt den Währungswächtern praktisch nichts anderes übrig, als die Zinsen anzuheben, was wiederum die Konjunktur abwürgen kann. "In diese vertrackte Lage werden sie nicht geraten wollen", sagt der Ökonom.

Wirtschaftsboom dank Impf-Marathon
Eine Lohn-Preis-Spirale ist in den USA nicht mehr so weit entfernt wie in Europa. Die US-Wirtschaft erholt sich dermaßen zügig von der Pandemie, dass Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres wieder Vollbeschäftigung herrschen könnte, sagt Hooper. "Die Konjunktur dürfte sich mit dem Fortschreiten des laufenden Impfprozesses nicht nur normalisieren, sondern wegen der Einkommenszuwächse und beachtlicher Ersparnisse förmlich aufblühen", prophezeit er. In der Krise haben nämlich viele US-Bürger Geld auf die hohe Kante gelegt, das teils aus den staatlichen Transferleistungen stammt. Die von Biden geplanten Leistungen kommen aller Voraussicht nach noch obendrauf und dürften die Nachfrage weiter befeuern.

Florierende Wirtschaft, nachgeholter Konsum: Was zunächst gut klingt, ist aber nicht durchweg positiv. Wegen der gestiegenen Inflationserwartungen haben die Renditen von US-Anleihen zuletzt deutlich angezogen, die Kurse der Papiere sind also gefallen. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen, so Hooper in der NZZ. "Sollte sich die konjunkturelle Lage in den nächsten Monaten normalisieren, würde auf die Realrendite auf das Vorkrisenniveau steigen", sagt er – und warnt: "Eine Anpassung kann an den Bondmärkten ziemlich schmerzhaft werden. Vor allem für jene, die so etwas nicht erwartet haben." (fp)