Deutsche Bank nennt Ölpreis-Schmerzgrenze für den Aktienmarkt
Steigende Renditen und höhere Energiepreise sorgen an den Märkten für Nervosität. Deutsche-Bank-Stratege Maximilian Uleer sieht für Aktien jedoch noch keinen Grund zur Sorge – solange eine entscheidende Schwelle beim Ölpreis nicht überschritten wird.
Aktien droht durch höhere Anleiherenditen oder Ölpreise keine ernsthafte Gefahr, solange der Preis für Brent-Rohöl unter 100 US-Dollar je Barrel bleibt. Diese Einschätzung vertritt Maximilian Uleer von der Deutschen Bank.
"Solange der Ölpreis unter 100 US-Dollar bleibt, mache ich mir keine Sorgen – selbst wenn die Zinsen aufgrund der Nachfrage noch etwas steigen", sagte Uleer, Leiter der europäischen Aktien- und Cross-Asset-Strategie der Bank, in einem Interview mit "Bloomberg Television".
Europas Unternehmen haben Energiekosten abgesichert
Uleer zufolge haben europäische Unternehmen rund 75 Prozent ihrer Energiekosten für dieses Jahr abgesichert, was ihnen geholfen habe, neue Gewinnhöchststände zu erreichen. Zudem seien die Umsätze dieser Unternehmen im zweiten Quartal um fünf Prozent gestiegen. Dies zeige, dass sie höhere Preise weitergeben und ihre Margen ausweiten konnten.
Allgemeiner betrachtet profitieren Aktien als nominale Anlageklasse nach Uleers Einschätzung von einer hohen Inflation, solange diese nachfragegetrieben ist. Würden die Zinsen dagegen ohne Inflation nach oben getrieben, sähe die Situation anders aus. "Ich werde besorgt, wenn die Renditen am langen Ende hoch bleiben oder weiter steigen und gleichzeitig die Inflation zurückgeht", sagte Uleer. "Das würde wahrscheinlich bedeuten, dass sich der Markt mehr Sorgen über Defizite und die Höhe der Verschuldung macht als über die Inflation."
Ölpreis über 100 Dollar als entscheidendes Risiko
Als wesentliches Risiko für den Rest des Jahres nannte Uleer einen Ölpreis von mehr als 100 US-Dollar. Die US-Regierung habe allerdings einen Anreiz, die Energiepreise vor den Zwischenwahlen unter Kontrolle zu halten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Senat behalten, bezifferte er auf 50 zu 50. Ein neuer Konflikt und hohe Energiepreise wären seiner Einschätzung nach politisch schädlich.
Die globalen Anleihemärkte beruhigten sich am Mittwoch (19.8.) nach dem Ausverkauf der vergangenen Tage. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen hatte angesichts wachsender Sorgen über die Inflation und die steigende Staatsverschuldung ein Niveau erreicht, das zuletzt 2007 verzeichnet worden war. Unterdessen notieren europäische Aktien nach einer starken Berichtssaison im zweiten Quartal nur knapp unter ihren Rekordständen. (mb/Bloomberg)















