Deutsche Bank, Goldman & Co.: Warum der Dollar 2026 weiter fallen wird
Mehrere Großbanken erwarten im kommenden Jahr erneut einen schwachen US-Dollar. Gründe sind weitere Zinssenkungen der Fed, robuste Konjunktur in anderen Regionen und steigende Renditen im Ausland – während einige Analysten weiterhin auf einen Dollaraufschwung setzen.
Deutsche Bank, Goldman Sachs und weitere Wall-Street-Häuser rechnen damit, dass der US-Dollar 2026 erneut an Wert verliert. Die Fed dürfte die Zinsen weiter schrittweise senken, während andere Zentralbanken stabil bleiben oder sogar Richtung Straffung tendieren. Der Dollar hatte sich zuletzt stabilisiert, nachdem er in der ersten Jahreshälfte den stärksten Rückgang seit den frühen 1970er-Jahren verzeichnet hatte – ausgelöst durch Handelskonflikte von US-Präsident Donald Trump.
Strategen erwarten neuen Rückgang
Analysten gehen davon aus, dass die US-Geldpolitik gegenüber anderen Ländern an Attraktivität verliert. Das könnte Investoren dazu veranlassen, US-Anleihen zu verkaufen und Gelder in Regionen mit höheren Renditen umzuschichten. Prognosen mehrerer Großbanken sehen den Dollar gegenüber Yen, Euro und Pfund schwächer. Der "Bloomberg Dollar Spot Index" dürfte laut den von der Nachrichtenagentur regelmäßig veröffentlichten durchschnittlichen Prognosen externer Banken, Research-Häuser und Ökonomen ("Consensus Forecast") bis Ende 2026 um rund drei Prozent fallen.
David Adams, Leiter der G-10-Devisenstrategie bei Morgan Stanley, erklärte, es gebe "reichlich Spielraum, um einen tieferen Zinssenkungszyklus einzupreisen", und erwartet im ersten Halbjahr einen Dollarverlust von etwa fünf Prozent.
Unsichere wirtschaftliche Basis
Der Rückgang dürfte jedoch moderater ausfallen als 2025, als der Dollar fast gegenüber allen wichtigen Währungen nachgab. Ein entscheidender Faktor bleibt die Entwicklung des US-Arbeitsmarkts – der zuletzt trotz Erwartungen erstaunlich robust blieb. Zudem gilt Währungsprognostik weiter als schwierig: Noch im vergangenen Jahr hatten Strategen erwartet, dass die Dollarstärke bis Mitte 2025 anhält, ehe der Trend deutlich früher und stärker drehte.
Divergierende Zentralbankpolitik
Trotz Unsicherheiten sehen viele Banken eine klare Tendenz: Der Markt preist zwei weitere Viertelpunkt-Senkungen der Fed ein. Zudem gilt es als möglich, dass ein neuer Fed-Vorsitzender – sollte Trump Jerome Powell ersetzen – stärker politischem Druck nachgeben könnte. Gleichzeitig könnte die EZB die Zinsen stabil halten, während die Bank of Japan sie leicht erhöht.
Luis Oganes, globaler Makrochef bei JP Morgan, sagte, die "Risiken seien stärker gegen den Dollar gestapelt als zu seinen Gunsten".
Globale Effekte eines schwächeren Dollars
Ein schwächerer Dollar würde importierte Waren verteuern, Auslandsgewinne amerikanischer Unternehmen erhöhen und die Exportwirtschaft stärken – Effekte, die eine Trump-Regierung begrüßen dürfte. Zugleich könnte er die Rally an den Schwellenmärkten verlängern, da Investoren Kapital in höher verzinste Märkte verlagern.
Diese Bewegung sorgte bereits dafür, dass Carry Trades in Schwellenländern die höchsten Erträge seit 2009 erzielten. JP Morgan und Bank of America verweisen dabei auf den brasilianischen Real sowie asiatische Währungen wie den südkoreanischen Won und den chinesischen Yuan.
Goldman Sachs hebt zudem eine verbesserte wirtschaftliche Dynamik in Kanada und Australien hervor. Historisch neigt der Dollar dazu, abzuwerten, wenn andere Wirtschaftsräume stärker wachsen.
Citigroup bleibt bullish
Einige Banken bleiben jedoch optimistisch für den Dollar. Analysten von Citigroup und Standard Chartered verweisen auf die Stärke der US-Wirtschaft, die wesentlich vom KI-Boom getragen wird. Sie erwarten, dass starke Kapitalzuflüsse den Dollar stützen. "Wir sehen erhebliches Potenzial für eine Dollar-Erholung im Jahr 2026", schrieb Citi-Stratege Daniel Tobon.
Fed-Signale entlasten Märkte
Die Fed hob am Mittwoch ihre Wachstumsprognosen für 2026 an und senkte dennoch den Leitzins um weitere 25 Basispunkte. Jerome Powell betonte, die Frage sei nun eher, ob weiter gesenkt oder eine Pause eingelegt werde. Ein Zinserhöhungsschwenk stehe nicht zur Debatte.
Die Märkte reagierten erleichtert: Sinkende Treasury-Renditen drückten den Dollarindex an zwei Tagen um 0,7 Prozent nach unten – den stärksten Rückgang seit Mitte September.
Deutsche Bank: Dollar-Bullenmarkt vor dem Ende
In ihrem Jahresausblick erklärten die Devisenexperten George Saravelos und Tim Baker von der Deutschen Bank, der Dollar habe von der "bemerkenswert widerstandsfähigen" US-Wirtschaft und gestiegenen Aktienkursen profitiert. Dennoch sei die Währung überbewertet. Sollte das globale Wachstum anziehen, dürfte der Dollar gegenüber den wichtigsten Währungen nachgeben.
"Wenn diese Prognosen eintreffen, wäre das das Ende des ungewöhnlich langen Dollar-Bullenmarkts dieses Jahrzehnts", so die Analysten. (mb/Bloomberg)















