Die Europäische Zentralbank (EZB) geht unter die Klimaschützer. Sie will unter anderem ihre Unternehmensanleihekäufe künftig auf Klimarisiken hin überprüfen. Die Notenbank kauft dann womöglich nur noch Anleihen von Emittenten, die die EU-Vorschriften zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens einhalten. "Ich schätze es, dass die EZB die Risiken des Klimawandels erkennt und ihren Einfluss geltend machen will, um Veränderungen zu bewirken", sagt William Adams, Investment-Chef für den Anleihebereich bei MFS Investment Management. Trotzdem hält er die neue Klimapolitik der Notenbank für einen Fehler.

Adams betont, die Herausforderungen durch die Klimakatastrophe ernst zu nehmen. "Man muss handeln, gestützt auf empirische Analysen und wissenschaftliche Erkenntnisse und – noch viel wichtiger – mit klimafreundlichen Anlageentscheidungen", sagt er. Der Anlageexperte befürchtet, die EZB könnte sich an ihrer selbstgestellten Aufgabe verheben. "Wenn der Marktzugang und die Kapitalbeschaffung von Unternehmen und Regierungen davon abhängen, wie klimafreundlich sie sind, kann das viel bewirken", sagt er. "Für die Geldpolitik scheint diese Aufgabe aber ein wenig zu groß.

Engagement statt Divestment
Der MFS-Mann sieht jetzt die Stunde der aktiven Investmentmanager gekommen. "Engagement, also die Einflussnahme auf Portfoliounternehmen, bringt deutlich mehr als eine Ausschlussliste", ist er überzeugt. "Wenn Unternehmen verantwortungsvoller werden sollen, müssen wir auf sie zugehen und nicht einfach nur Wertpapiere an einem Markt verkaufen, dem das Thema vielleicht vollkommen gleichgültig ist." Im Kampf gegen Klimarisiken sieht er aktive Manager den passiven Strategien deutlich überlegen: "Die Kapitalallokation und die Preisbildung am Markt können dazu beitragen, den Klimawandel zu stoppen." (fp)