Das Jahr 2019 stellte für die Kapitalmärkte eine Zäsur dar. Mit der Absage an eine Straffung der Geldpolitik und die darauffolgende erneute Lockerung sowohl durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) als auch durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben die obersten Währungshüter die jetzige Geldpolitik zum Normalfall erklärt. "Nach der Wiederaufnahme von Wertpapierkäufen durch die EZB ist eine Anhebung der Leitzinsen frühestens in fünf Jahren vorstellbar", heißt es im aktuellen Marktbericht der Dekabank.

Den Analysten zufolge könnte das Zinsniveau das gesamte nächste Jahrzehnt über auf niedrigem Niveau verharren. Dabei greifen die bewährten makroökonomischen Mechanismen schon lange nicht mehr. Geldpolitische Impulse schlagen kaum mehr auf die Inflation durch, beobachtet die Dekabank. Das liegt den Autoren zufolge auch daran, dass die Zentralbanken den Zins nicht unbegrenzt unter die Nulllinie senken können.

Exogene Faktoren treiben Wirtschaft
Die Folge sei ein "extremer Instrumenteneinsatz mit steigenden Nebenwirkungen", heißt es in dem Bericht. Unkonventionelle Instrumente wie der Ankauf von Anleihen rücken die Geldpolitik immer weiter in Richtung Finanzpolitik. Die stabilisierende Wirkung hält sich dabei in Grenzen: Treiber der Konjunktur werden auch in Zukunft vor allem exogene Einflüsse wie die Geopolitik sein. (fp)