Der Nachhaltigkeitsboom dürfte in den kommenden Jahren weiter an Momentum gewinnen, prophezeit Koen Bosquet, Experte für europäische Aktien bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM). Er sieht Europa bei nachhaltigen Investments in einer Vorreiterrolle, nicht zuletzt durch die umfangreichere ESG-Regulierung auf EU-Ebene. Das regulatorische Vorpreschen Europas verschafft europäischen Aktien einen strategischen Vorteil, ist Bosquet überzeugt. Darüber hinaus sieht er europäische Unternehmen beim Thema Klimaschutz generell gut aufgestellt. "Sie investieren schon länger in die Entwicklung grüner Technologien", sagt er. "Das hat über Jahre die Profitabilität belastet, zahlt sich aber heute aus."

Als Beispiele nennt der DPAM-Experte Schneider Electric aus Frankreich – ein Unternehmen, das führend ist im Bereich der industriellen Energieeffizienz. Oder Kingspan aus Irland, Marktführer bei Gebäudeisolierung und Dämmsystemen. Auch Umicore aus Belgien, der deutsche Halbleiterspezialist Infineon sowie der finnische Bio-Kraftstoff-Experte Neste Oyi sind nach Ansicht von Bosquet spannend für ESG-affine Anleger.

Chancen in schwächelnden Märkten nutzen
Auch beim nachhaltigen Investieren gelten die allgemeinen Regeln der Geldanlage: "Gerade solche Länder, die im Moment nicht so gut dastehen, bieten hervorragende Gelegenheiten für aktives Stockpicking", sagt der Aktienspezialist. "In diesen Märkten finden sich herausragende Unternehmen, häufig familiengeführt, die Antworten und Lösungen für drängende Probleme entwickeln." Als Beispiel führt Bosquet unter anderem Hera aus Italien an, ein regionaler Versorger mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft.

In Frankreich sieht der DPAM-Mann ebenfalls Chancen für nachhaltig orientiert Stockpicker, etwa den Dienstleister Teleperformance oder das Outsourcing-Unternehmen Alten. Letzteres profitiert davon, dass sich immer mehr Branchen mit dem Megatrend Digitalisierung auseinandersetzen müssen, erklärt er. (fp)