Deal-Boom zum Jahresstart: Deutschland steigert M&A-Volumen
Deutschlands M&A-Markt startet ungewöhnlich stark ins Jahr: Das Dealvolumen zum Jahresauftakt nähert sich Rekordjahren wie 2007 und 2021. Große Transaktionen und wachsendes Interesse von Investoren treiben die Dynamik.
Deutschlands Dealmaker erleben einen der stärksten Jahresauftakte ihrer Geschichte. Das Volumen von Transaktionen mit Beteiligung deutscher Unternehmen beziffert sich seit Beginn dieses Jahres auf rund 26 Milliarden US-Dollar, wie von der Nachrichtenagentur "Bloomberg" zusammengestellte Daten zeigen. Damit bewegt sich der Wert in etwa auf dem Niveau derselben Zeiträume der bisherigen Rekordjahre 2007 und 2021 und hebt sich deutlich von dem wesentlich moderateren Anstieg in Europa insgesamt ab.
An den Deals sind einige der bekanntesten Namen des Landes beteiligt, darunter die Deutsche Börse und der Sportartikelhersteller Puma. Der dynamische Start steht im Kontrast zu 2025, als Deutschland von einem globalen M&A-Boom weitgehend abgekoppelt war.
Große Transaktionen treiben die Zahlen
In dieser Woche stimmte Berlin zu, rund 3,3 Milliarden Euro für einen Anteil von 25,1 Prozent am Deutschlandgeschäft des Stromnetzbetreibers Tennet zu zahlen. Henkel kündigte an, den niederländischen Spezialbeschichtungshersteller Stahl Holdings für 2,1 Milliarden Euro zu übernehmen. Heidelberg Materials schloss zudem einen Deal über 1,7 Milliarden australische Dollar (rund eine Mrd. Euro) für das Baustoffgeschäft der australischen Maas Group.
Unternehmen und Investoren hätten eine "Resilienz gegenüber kurzfristigen Irritationen" wie geopolitischen Ereignissen entwickelt, sagte Berthold Fürst, Head of Investment Banking and Capital Markets in der DACH-Region bei der Deutschen Bank. "Europäische – insbesondere deutsche – Unternehmen sowie Private-Equity-Firmen sind derzeit deutlich entschlossener, Transaktionen umzusetzen", sagte Fürst. "Zudem sehen wir großes Interesse aus anderen Regionen an Europa."

Deutsche Börse und Puma im Fokus
Die bislang größte deutsche Transaktion des Jahres ist die geplante Übernahme des europäischen Fonds-Technologieunternehmens Allfunds durch die Deutsche Börse für rund 5,3 Milliarden Euro.
Die Ankündigung erfolgte im vergangenen Monat, nur wenige Tage bevor die französische Milliardärsfamilie Pinault zustimmte, ihren 29-Prozent-Anteil an Puma für 1,5 Milliarden Euro an Chinas Anta Sports Products zu verkaufen.
Weitere Milliarden-Deals zeichnen sich ab
Weitere Großtransaktionen zeichnen sich bereits ab. Wie "Bloomberg" berichtete, gelten Blackstone und der japanische Industriegerätehersteller Yanmar Holdings als mögliche Bieter für eine Mehrheitsbeteiligung an der Volkswagen-Sparte Everllence.
Die Transaktion könnte die Schwerdiesel-Sparte mit bis zu sechs Milliarden Euro bewerten. Ebenfalls im deutschen Automobilsektor arbeitet Continental an einem milliardenschweren Verkauf seiner Kunststoff- und Kautschuksparte Contitech als letzten Schritt eines umfassenderen Zerschlagungsplans. "Der Transformationsdruck vieler Konzerne und der Fokus auf Ressourcen trifft auf eine hohe Nachfrage von Private-Equity-Firmen, in Europas größter Volkswirtschaft zu investieren", sagte Christian Kames, Co-Head of Investment Banking in der DACH-Region bei Lazard.
Aufrüstung und Verteidigungssektor rücken in den Blick
Parallel dazu beginnt Deutschland eine historische Aufrüstung, die voraussichtlich zu höheren Investitionen im Verteidigungssektor führen wird. Private-Equity-Firmen legen gezielte Fonds für militärische Vermögenswerte auf, während Rüstungshersteller wie der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall kräftige Kursanstiege verzeichneten und damit finanzielle Spielräume für mögliche Übernahmen erhalten.
Stephan Waldhausen, Partner der Kanzlei Freshfields in Deutschland, erwartet, dass Private-Equity-Firmen und strategische Investoren gemeinsam Produktionskapazitäten ausbauen und neue Technologien in der Luft- und Raumfahrt sowie im Verteidigungsbereich ergänzen werden. "Wir erwarten, dass die europäische Konsolidierung zunächst eher in Form von Joint Ventures und Kooperationen statt durch umfassende Fusionen oder Übernahmen erfolgt", sagte Waldhausen. (mb/Bloomberg)













