Der Dax hat in der laufenden Woche ein neues Allzeithoch erreicht. Statt darauf zu hoffen, dass er in der kommenden Zeit weitere Gipfel erklimmt, sollten Anleger jetzt Gewinne mitnehmen, rät Daniel Kerbach, Chefanlagestratege bei der Privatbank Merck Finck. Er weist darauf hin, dass es beim deutschen Leitindex in der Vergangenheit nach Erreichen eines Rekordstands stets abwärts ging. Von seinen Hochs in den Jahren 2000, 2007, 2015 und 2018 fiel das Barometer bis zum nächsten Tiefpunkt im Schnitt um 45 Prozent.

Auch jetzt ist der Markt reif für eine Korrektur, glaubt Kerbach. "Wir sind sehr weit und steil gelaufen, die Volatilität ist extrem tief und die Bewertungen sind angespannt", sagt er. Zwar könnte es am deutschen Aktienmarkt noch ein bisschen weiter aufwärts gehen. Investoren sollten ihr Blatt aber nicht überreizen: Es wird immer schwieriger, einen Kurs-Crash vorherzusehen, warnt der Merck-Finck-Stratege – vor allem, wenn er durch eine Krise oder einen "Schwarzen Schwan" ausgelöst wird.

Aktien bleiben im Vergleich attraktiv
Eine Korrektur um fünf bis 15 Prozent ist jetzt durchaus möglich, sagt auch Christoph Ohme, Co-Manager des Fonds DWS Deutschland. "Es mangelt derzeit an einer breiten zyklischen Erholung", erklärt er. Eine Besonderheit hat die aktuelle Rally allerdings: Der Dax hat zum ersten Mal einen neuen Rekord erreicht, während die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen im negativen Bereich liegen.

Im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen sind deutsche Aktien nach wie vor attraktiv. Das könnte vorerst verhindern, dass die Kurse denselben Weg nehmen wie nach früheren Rekorden – also abwärts. "Auf lange Sicht bleibt das Umfeld für Aktien unterstützend, da die Zinsen niedrig sind und die harten politischen Risiken sich abgemildert haben", sagt Ohme. (fp)