Bedrohungen aus dem Internet sind aus der Sicht österreichischer Wirtschaftsfachleute das größte Risiko für den Geschäftsbetrieb. Das geht aus dem "Allianz Risk Barometer" hervor. Für die Untersuchung des Versicherers wurden weltweit mehr als 2.700 Experten aus 102 Ländern nach ihrer Risikoeinschätzung gefragt.

Bedrohung für Finanz und Technologie
Gemeinsam mit Österreich gilt Cybercrime noch in elf anderen Ländern als das größte Risiko. Ein Grund für den hohen Bedrohungsfaktor dürfte die Ausrichtung der Wirtschaft sein, etwa die Dominanz der Finanzdienstleistungssparte im Land, die hinsichtlich IT-Gefahren besonders sensibel ist. Der Finanzsektor zählt gemeinsam mit der Flugbranche, Technologie, Telekommunikation und professionellen Dienstleistungen zu den Wirtschaftsbereichen, in denen Cybercrime weltweit als das Top-Risiko eingeschätzt wird. Dem entsprechend rangiert in Ländern, die in diesen Branchen stark sind, die Cybercrime-Angst ganz oben, etwa in Frankreich, der Schweiz, Großbritannien, Südkorea oder den USA.

Die zunehmende Angst vor IT-Sicherheitsrisiken wird dadurch befeuert, dass die Regulatoren für Nachlässigkeiten immer strengere Strafen vorsehen und auf der anderen Seite kriminelle Angriffe immer umfassender werden, wie die Studienautoren anmerken. Ein großer Datendiebstahl – mit mehr als einer Million Datensätzen – koste heute durchschnittlich 42 Millionen Dollar, und damit um acht Prozent mehr als im Vorjahr. "Ransomware-Angriffe richten sich zunehmend gegen große Unternehmen, und die Erpressungsforderungen steigen. Vor fünf Jahren ging es um einige zehntausend Euro, heute fordern Cyberkriminelle immer öfter Millionenbeträge", sagt Allianz Österreich-Experte Severin Gettinger.

Betriebsunterbrechung: Brexit und Unruhen bereiten Sorgen
Die Cybergefahren teilen sich in Österreich dieses Jahr den "Top-Platz" erstmals mit der Angst vor einer Betriebsunterbrechung. 49 Prozent der Befragten sehen hier die größte Gefahr für den Geschäftsbetrieb. In der Vorjahreserhebung lag eine Betriebsunterbrechung (inklusive einer Unterbrechung der Lieferkette) noch auf Platz vier der Bedrohungen. Eine Rolle dürften hier Ausfälle bei digitalen Lieferketten aber auch politische Unruhen spielen. Geht man von der Meldungslage der vergangenen Monate aus, ist hier außerdem die Ungewissheit angesichts des nahenden Brexit zu berücksichtigen.

Relativ entspannt scheinen die Unternehmer hingegen, was die Marktentwicklung betrifft. Volatilitäten, verstärkter Wettbewerb, Stagnation, liegen auf Platz sechs weit hinten. Auf diesem Platz reiht sich ex-aequo auch eine erstmals neu erhobene Angst ein, nämlich die vor dem Ausfall wichtiger Infrastruktur, etwa der Stromversorgung.

Unbeliebte Regulierungen
Platz drei nimmt im österreichischen Ranking die Sorge vor rechtlichen Veränderungen im Wirtschaftsumfeld ein, hier lassen die zunehmend strengeren Regulierungen grüßen. Zum ersten Mal unter den Top 10-Bedrohungen für die Wirtschaft findet sich auch der Klimawandel mit seinen möglichen Auswirkungen. Zwölf Prozent der hierzulande befragten Experten zählen den Klimawandel zu den drei größten Risiken für die Wirtschaft. Befürchtet werden nicht nur Sachschäden, sondern auch Reputationseinbußen.

Die Untersuchung wurde durch die Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) erstellt. Die meisten der genannten Bedrohungen zählen als Anbieter von Industrieversicherungen zum Geschäft der Tochter des Allianz-Konzerns. (eml)