Der Stuttgarter Anwalt Eckart Seith deckte einen Skandal im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften auf. Doch statt zum Verdienst könnte ihm das zum Verhägnis werden: Denn nun wird ihm in Zürich der Prozess gemacht. Die Ankläger werfen ihm Wirtschaftsspionage, Verrat von Geschäftsgeheimnissen und Verstoß gegen das Bankgeheimnis vor. Er sei ein Spion, der interne Bankunterlagen aus der Schweiz an deutsche Ermittler weitergereicht habe, zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) die Ankläger. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm dreieinhalb Jahre Haft.

Neben Seith sind noch zwei frühere Sarasin-Mitarbeiter angeklagt, ein ranghoher Jurist und ein Kundenberater. Sie sollen den Anwalt mit den brisanten internen Informationen versorgt haben. Auch ihnen drohen bei einer Verurteilung mehrjährige Haftstrafen. Die Angeklagten wiesen die Vorwürfe zurück: Systematischer Betrug sei kein schützenswertes Geheimnis, sagte Seith nach Informationen der FAZ.

Der größte Steuerraub der Geschichte
Tatsächlich nutzten die Ermittler in Deutschland das belastende Material, um ein Verfahren gegen die Sarasin-Bank wegen illegaler Steuergeschäfte einzuleiten. Die Cum-Ex-Affäre gilt als größter Steuerbetrug aller Zeiten. Über Jahre ließen sich Geldhäuser nur einmal oder überhaupt nicht gezahlte Kapitalertragssteuer mehrfach vom deutschen Fiskus erstatten. Europaweit soll sich der Schaden durch diese und ähnliche Steuertricks laut Hochrechnungen von Branchenkennern auf über 55 Milliarden Euro belaufen. (fp)