In den vergangenen Monaten hat sich das Geschehen an den Kapitalmärkten immer weiter von der Realität entfernt. Während die Pandemie weiterhin die ganze Welt in einen Ausnahmezustand versetzt, herrschte an den Börsen Partystimmung. Auch der deutsche Leitindex Dax notierte bereits urz nach dem Crash im März so, als hätte es die Coronakrise nie gegeben. Doch der Aufwärtstrend geht auf sein Ende zu, schreibt Wieland Staud, technischer Analyst und Geschäftsführer bei Staud Research, in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). "Der Kursrutsch der vergangenen Tage hat tiefe Spuren hinterlassen, und auch unter dieser gut sichtbaren Oberfläche hat sich seine Verfassung abgeschwächt", sagt Staud.

Anleger müssten damit rechnen, dass der Dax schon in absehbarer Zukunft die Marke von 12.350 Punkten unterbieten und sich anschließend mit Nachdruck in tiefere Regionen aufmachen werde. Märkte und Realität würden sich aneinander angleichen. "Entweder der Dax fällt in der nächsten Zeit markant, oder die Konjunktur befindet sich schon bald wieder wenigstens auf Vor-Corona-Niveau", sagt Staud. Dabei hält er das erste Szenario für weitaus wahrscheinlicher. "Je länger eine Seitwärtsphase anhält, desto näher rückt ihr Ende – und je länger eine Seitwärtsphase angehalten hat, desto mehr Dynamik kommt meist nach einem Ausbruch in den Chart."

Bröckelnde Fassade
Ein Kursrückgang müsse den Dax nicht notwendigerweise auf Niveaus zwischen 10.100 und 11.100 Punkte zurückführen. "Es dürfte aber ganz gewiss nicht schaden, diese Zone zumindest für ein Worst-Case-Szenario im Hinterkopf zu behalten. Der Dax wird wohl von der Realität eingeholt werden – nicht umgekehrt", sagt Staud. Seiner Meinung nach werden sich ein fortschreitender Anstieg der Infektionszahlen sowie das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in den USA erheblich auf die Märkte auswirken. (fp)