Der Goldpreis hat derzeit kräftigen Gegenwind. Seit mehreren Wochen legt der Aufwärtstrend bei dem Edelmetall nun schon eine Pause ein. Zuletzt fiel sein Preis sogar unter die psychologisch wichtige Marke von 1.800 US-Dollar je Feinunze und damit auf den tiefsten Stand seit Ende November. "Das charttechnische Bild hat sich deutlich eingetrübt, ein Rutsch unter das November-Tief bei 1.765 US-Dollar könnte weitere Anschlussverkäufe auslösen", urteilt Daniel Briesemann, Analyst für Edel- und Industriemetalle bei der Commerzbank.

Der Experte sieht mehrere Faktoren, die den Goldpreis belasten. Erstens hat die Unterstützung durch Investoren nachgelassen, so kaufen etwa ETFs seit Januar deutlich weniger Gold. Anleger greifen jetzt lieber zu Aktien, "sichere Häfen" sind out. Zweitens belasten die hohen Anleiherenditen den Preis des Edelmetalls. Sie machen Gold als zinslose Anlage weniger attraktiv, erklärt Briesemann. Und drittens hat der US-Dollar seit Jahresbeginn leicht aufgewertet. "Er hat sich von einem Unterstützungsfaktor zu einem Belastungsfaktor gewandelt", sagt Briesemann.

Gold profitiert vom dauerhaften Nullzins
Auf kurze Sicht könnte der Goldpreis weiter nachgeben, schätzt der Analyst. "Mittel- bis langfristig bleiben wir für Gold aber positiv gestimmt", sagt er. Sein Optimismus speist sich aus mehreren Quellen: Die großen Notenbanken können wegen der hohen Verschuldung vieler Staaten kaum die Zinsen anheben. "Gold sollte unseres Erachtens als Sachwert und wertstabile Anlage profitieren", erklärt Briesemann. Zugleich dürfte die Nachfrage von Investorenseite zwar ihren Rekord aus dem vergangenen Jahr nicht mehr erreichen, aber doch auf hohem Niveau bleiben. Hinzu kommt möglicherweise eine steigende Nachfrage aus Asien nach physischem Gold. (fp)