Die US-amerikanischen Strafzölle haben ihre Spuren in Chinas Wirtschaft hinterlassen: Im zweiten Quartal dieses Jahres fiel das Wachstum im Reich der Mitte auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahrzehnten. Zwar wuchs die chinesische Wirtschaft um 6,2 Prozent, im Vorquartal waren es jedoch noch 6,4 Prozent gewesen. Zudem brachen die Exporte in die USA ein, und auch die Industriegewinne fielen schwach aus. Dennoch sind David Raper und Baijing Yu, Portfoliomanager bei Comgest optimistisch: Der Handelskonflikt Chinas mit den USA heize den Wettbewerb an. Das wiederum sorge dafür, dass beide Volkswirtschaften in Innovationen investieren – laut Raper und Yu gute Voraussetzungen für die Schaffung vieler großartiger Unternehmen.

Mit der richtigen Titelauswahl können Investoren auch in unsicheren Zeiten Renditen erzielen. Das zeigt das Beispiel Ping An Insurance, in das auch Raper und Yu investiert haben. Chinas Versicherungs- und Finanzdienstleister erzielte erneut ein starkes Wachstum von mehr als 20 Prozent, getragen von höheren Margen im Versicherungsgeschäft. "Der Versicherer hat sich zuletzt erfolgreich auf private Bankkunden ausgerichtet", sagt Raper. Auch das Biotech-Unternehmen 3Sbio entwickelte sich gut. Die Comgest-Experten gehen davon aus, dass das Unternehmen auch in den nächsten Jahren um mehr als 20 Prozent wachsen wird.

Chinas Bedeutung steigt
Ende 2018 war China mit einem Anteil von 16 Prozent am globalen Bruttoinlandprodukts die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Zugleich ist das Land im Weltaktienindex MSCI AC World mit einem Gewicht von nur 3,6 Prozent weiterhin unterrepräsentiert. "Im Zuge der Öffnung seines Kapitalmarktes dürfte Chinas Gesamtgewicht in den MSCI Emerging Markets Indizes bis August 2019 auf 32 Prozent und bei vollständiger Einbeziehung auf 40 Prozent steigen", ist Raper überzeugt.

Bis August könnte das Gewicht des Landes im MSCI AC World Index auf vier Prozent steigen. In diesem Fall wäre China von der Gewichtung mit dem Vereinigten Königreich oder Japan vergleichbar. "Dann ist eine direkte Länderallokation für bestimmte globale Anleger wahrscheinlich sinnvoller als das Engagement über einen globalen Schwellenmarkt- oder Asienfonds." (fp)