Niedrige Zinsen werden das Bild in Europa für die nächsten zwei Jahrzehnte prägen. Davon ist Mark Burgess, Chefanlagestratege bei Columbia Threadneedle überzeugt. "Wir gehen davon aus, dass der Eurozone eine lange Niedriginflation bevorsteht, die von geringen Wachstumsraten begleitet wird, was einen nennenswerten Anstieg der Zinsen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren verhindert", sagt der Anlageprofi. Darauf ließen auch die in Japan gemachten Erfahrungen schließen.

Dort verharren die Zinsen seit vielen Jahren auf der Nulllinie, ohne dass eine Änderung absehbar scheint. Auch das japanische Wirtschaftswachstum stagniert – obwohl Produktivität und Staatsdefizite in den vergangenen Jahren sogar gestiegen sind. In Europa könnte eine höhere Kreditaufnahme der Unternehmen und Privathaushalte Abhilfe schaffen, sagt Burgess, doch "Maßnahmen zur Lösung der Probleme im Bankensektor sind nicht in Sicht."

Turbulente Reise steht bevor
Deshalb dürfte das Niedrigzinsumfeld auch in der Eurozone fortbestehen, ebenso wie das hohe Verschuldungsniveau. "Seine Bewältigung wird etliche Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern, die von geringen Wachstumsraten und mangelnden Ertragschancen für Sparer und Investoren geprägt sein werden", prognostiziert Burgess. Eine hohe Verschuldung lässt auch eine erhöhte Volatilität erwarten. "Es ist also an der Zeit, sich für eine turbulente Reise zu rüsten." (fp)