Zum Höhepunkt der Pandemie im ersten Quartal ging es für Unternehmensanleihen steil bergab. Seitdem hat das Tempo der Herabstufungen jedoch spürbar nachgelassen. "Wir führen dies auf die vielen bonitätsverbessernden Entscheidungen der Geschäftsleitungen zurück, darunter Dividendenkürzungen, weniger Aktienrückkäufe, zurückgestellte Investitionen und Kostensenkungen", sagt Gene Tannuzzo, stellvertretender globaler Leiter des Bereichs Fixed Income beim Vermögensverwalter Columbia Threadneedle Investments. Eine zweite Herabstufungswelle hält Tannuzzo aktuell für unwahrscheinlich.
 
"Während zu Beginn des Jahres die Märkte für Corporate Bonds auf den Corona-Schock mit starken Spread-Ausweitungen reagierten, scheint es aktuell auf den ersten Blick so, als hätten sich die engeren Unternehmensanleihe-Spreads von der nach wie vor schwachen, aber sich verbessernden Wirtschaftslage abgekoppelt",  sagt Tannuzzo. Unter anderem sollen die Spreads von Unternehmensanleihen Investoren für das Risiko einer Herabstufung entschädigen. Tannuzzo vermutet, dass Anleger sowohl eine erhöhte Ausfallquote als auch eine anhaltende Unterstützung durch die US-Notenbank Federal Reserve im nächsten Jahr in die Preise einkalkulieren.
 
Chancen fürs Portfolio
Insgesamt zeigten sich an den Finanzmärkten zurzeit wegen der Corona-Krise höhere und breiter verteilte Risikoprämien als im vergangenen Jahr. Daraus ergeben sich gerade für aktive Asset Manager auch Chancen, sagt Tannuzzo: "Eine breitere Verteilung kann die Konstruktion eines Portfolios ermöglichen, das ganz andere Risiko- und Ertragseigenschaften aufweist als ein breiter Index." Da die risikolosen Zinssätze auf absehbare Zeit niedrig bleiben dürften, sei die Gelegenheit, mit einer risikokontrollierten Allokation in Unternehmensanleihen Erträge zu erwirtschaften, nach wie vor überzeugend. (fp)