Die europäischen Aktienmärkte dürften sich im laufenden Jahr gut entwickeln, sagt Ann Steele, Portfoliomanagerin bei Columbia Threadneedle. Sie rechnet damit, dass sich die Unternehmensgewinne erholen und die fiskalpolitischen Impulse trotzdem weiter erhalten bleiben. "Selbst im Fall von Verzögerungen bei der Zulassung von Impfstoffen und weiteren Lockdowns dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 im Jahr 2021 deutlich nachlassen", prophezeit Steele.

Viele Firmen in Europa haben im Zuge der Pandemie Einsparungen vorgenommen und ihre betriebliche Effizienz verbessert, berichtet die Portfoliomanagerin. Sie sieht im laufenden Jahr bei Unternehmen zwei Kategorien von Siegern: Die erste sind international wettbewerbsfähige Firmen mit etabliertem Geschäft und hoher Preissetzungsmacht. Ihre Erträge wurden durch die Corona-Krise kaum belastet, teilweise gehören sie sogar zu den Gewinnern der Pandemie – zum Beispiel Gesundheits- und Technologieunternehmen.

Brexit belastet Kurzfrist-Aussichten
In die zweite Sieger-Kategorie gehören laut Steele Unternehmen, die zwar durch Corona Gewinneinbußen verzeichnen, deren Aktien aber übertrieben stark abgestraft wurden. Die Überschüsse zahlreicher dieser Firmen dürften sich 2021 deutlich erholen, prognostiziert die Anlageexpertin. "Viele Unternehmen in Europa sind so günstig, dass wir mit einer rasanten Zunahme der Fusionen und Übernahmen rechnen", sagt sie.

Als Wermutstropfen könnten sich die Auswirkungen des Brexits erweisen. Sowohl britische Unternehmen als auch Firmen in der Europäischen Union könnten im laufenden Jahr unter Störungen im Handel und Lücken in den Lieferketten leiden, sagt Steele. "Angesichts des beiderseits guten Willens, in allen Punkten eine Einigung zu erzielen, dürften größere Probleme jedoch keinen Bestand haben", erklärt sie – und zieht ein insgesamt positives Fazit: "Zu Beginn des neuen Jahres ist der Pessimismus überwunden. Das verspricht Gewinnpotenzial für Aktienanleger." (fp)