Christoph Bruns: "Wer spekuliert, muss mit erratischen Kursen rechnen"
Über den massiven Preisrückgang von Bitcoin und Co. dürfen sich Anleger eigentlich nicht wundern, meint Loys-Vorstand Christoph Bruns. Aber der Markt sei inzwischen zu groß, um ignoriert zu werden. Eine Lanze bricht der Fondsveteran für Stablecoins.
"Am Markt für Kryptomünzen ist eine spekulative Blase geplatzt", schreibt Christoph Bruns, Mitgründer der Fondsboutique Loys, in seinem regelmäßigen Marktkommentar für die Zeitschrift "Capital", die er auch auf den Internetseiten von Loys veröffentlicht. Sinnbildlich zeige sich die Entwicklung beim Bitcoin, der mit Abstand wichtigsten Kryptowährung. Seit dem Höchststand im Oktober 2025 sei der Kurs von circa 120.000 auf rund 70.000 US-Dollar gefallen, ein Rückgang um etwa 40 Prozent. Anderen Kryptowährungen sei es kaum besser ergangen, im Gegenteil. Und es sei nicht das erste Mal, dass der Bitcoin einen heftigen Kurssturz erleide. Zwischen November 2021 und Dezember 2022 habe die Fallhöhe sogar 75 Prozent betragen.
"Wer in solchen Anlageinstrumenten spekuliert, muss also auf erratische Kursentwicklungen gefasst sein", so Bruns. Um die Entwicklung richtig einordnen zu können, sei es hilfreich, eine geeignete Definition des Themas "Investieren" zur Hand zu nehmen. "Die Nestoren des wertorientierten Investierens, Benjamin Graham und David L. Dodd, schrieben in ihrem bekannten Werk 'Security Analysis', dass von 'Investieren' gesprochen werden könne, wenn gründliche Analyse des Anlagegegenstandes ergäbe, dass Sicherheit des eingesetzten Kapitals und eine angemessene Rendite erwartet werden könne", zitiert Bruns. Bei solchen Anlagegegenständen aber, bei denen diese beiden Bedingungen nicht erfüllt seien, handele es sich um Spekulationen.
Der Unterschied zwischen Kryptowährung und Stablecoin
Lege man diese Definition zugrunde, dann seien Anlagen in Kryptowährungen offenbar Spekulationen. Als eine Parallele aus der Vergangenheit könne etwa die Tulpenmanie in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts angesehen werden. "Etwas anders verhält es sich mit sogenannten Stablecoins", ist Bruns überzeugt. Sofern diese mit messbaren Vermögenswerten unterlegt seien, könne ein angemessener Wert ermittelt werden. Bei Vollunterlegung mit kurzfristigen Staatspapieren könne sich sogar eine hohe Preisstabilität solcher Stablecoins ergeben.
Dass der Kryptocrash so große Beachtung in den Medien finde, sei dem inzwischen hohen Marktwert des Segments zu verdanken. "Der Kurswert aller Bitcoins beträgt nach dem Kursverfall circa 1,1 Billionen Euro", so Bruns. "Nimmt man die anderen Kryptomünzen hinzu, so entspricht ihr derzeitiger Kurswert in etwa dem Wert aller im Dax gemessenen deutschen Unternehmen in Höhe von rund 2,1 Billionen Euro." Damit werde verständlich, warum die Bank of America auf die Frage, warum sie sich am Kryptomarkt engagiere, erkläre, dieser Markt sei zu groß, um ignoriert zu werden.
Kollateralschäden bleiben nicht aus
"Vom Crash bei Kryptomünzen gehen daher Abstrahlungseffekte aus", befürchtet Bruns. Vorstellbar seien zum Beispiel Vermögenseffekte bei betroffenen Anlegern. "Dabei sollten wir uns daran erinnern, dass viele Spekulanten auf den Kryptozug aufgesprungen sind, nachdem der 47. amerikanische Präsident seine Unterstützung für diesen Sektor bekanntgegeben hat", ergänzt der Fondsveteran. Betroffen von dem Kurseinbruch seien auch die Börsen, Broker und Handelsplattformen, die mit dem Kryptohandel Geld verdienen. Coinbase Global, die größte Kryptohandelsplattform, habe zuletzt Verluste gemeldet und zusehen müssen, wie ihr Aktienkurs ebenfalls unter schweren Abgabedruck geraten sei.
Nicht anders sei es dem Neobroker Robinhood ergangen, der einen signifikanten Anteil seiner Gewinne mit dem Kryptohandel seiner Depotinhaber verdiene. Auch dort sei es zuletzt zu drastischen Rückgängen gekommen. Besonders markant vom Kryptocrash tangiert seien die Kryptohortungsunternehmen, wie etwa die US-Gesellschaft Strategy. "Die vormals mit einem Aufschlag zu den gehaltenen Bitcoins gehandelte Aktie hat sich zuletzt geviertelt", so Bruns, "besitzt aber noch einen Marktwert in Höhe von 44 Milliarden US-Dollar und damit ungefähr so viel wie die RWE-Aktie". (hh)
















