"Es ist sicherlich sinnvoll, das Verschuldungsrisiko des Immobiliensektors zu verringern, um die Gesamtrisiken der Finanzindustrie einzudämmen", befindet John Vail, Chief Global Strategist bei Nikko Asset Management mit Blick auf die chinesischen Regulierungsmaßnahmen. Dennoch kann es in einem solchen Richtungswechsel, zumal in einem undurchsichtigen System, holprig zugehen. In seinem Ausblick geht Vail davon aus, dass die chinesische Wirtschaft ihre gegenwärtigen Schwierigkeiten überstehen wird. "Der Weg dürfte aber zuweilen recht steinig werden", so seine Prognose.

Peking sorgt zurzeit dafür, dass heimische Unternehmen ihre Schuldenquote reduzieren. Seit August vergangenen Jahres gelten besonders strengere Regeln für die Immobilienkonzerne. "Man wird sich nicht ewig auf die Immobilienbranche verlassen können, wenn es um Wirtschaftswachstum geht", glaubt Vail. Er begrüßt Chinas augenscheinliche Entschlossenheit, den Kurs nun immerhin beizubehalten, um Verbraucher und Unternehmen von noch größeren Auswirkungen systemischer Risiken zu bewahren. Eine Schlüsselfrage sei nun, ob eine große Anzahl leerstehender Wohnungen vermietet oder verkauft werde: "Ersteres würde die Mieten senken, was dem allgemeinen Wohlstandsthema entspricht. Letzteres könnte die Immobilienpreise zu sehr drücken."

Positives Vorzeichen
Angesichts wachsender globaler Lieferkettenprobleme und anhaltender Stromengpässe in China geht der Asset Manager davon aus, dass die globale wirtschaftliche Erholung mit einer höheren Inflation eingehen wird als allgemein erwartet. Infolgedessen dürfte die globale Geldpolitik laut Nikko AM daher restriktiver werden. Als positives Vorzeichen wertet das Haus die erwarteten BIP-Zahlen für die wichtigsten Wirtschaftsräume der Welt, die von Basiseffekten profitieren. (fp)