Die Krise bei Evergrande stellt kein systemisches Risiko für die chinesische Wirtschaft dar, sagt Colin Liang, Leiter des China-Research und Portfoliomanager bei RWC Partners. Er verweist auf andere Fälle, in denen Unternehmen Vermögenswerte mit einem Abschlag verkaufen mussten, um Schulden abzubauen, oder in denen Firmen unter staatlicher Anleitung umstrukturiert wurden. "Die Probleme können unserer Ansicht nach behoben werden, wenn gut kapitalisierte staatliche Immobilienentwickler einspringen und das Unternehmen übernehmen", sagt er.

Auch der chinesische Immobilienmarkt ist intakt, ist Liang überzeugt. "Wir sind der Ansicht, dass die Regierung das Finanzsystem nach wie vor fest im Griff hat", betont er. Die Ansteckungsgefahren durch die Probleme bei Evergrande können nach Ansicht des China-Experten durch politische Maßnahmen und eine breite Unterstützung des Immobiliensektors unter Kontrolle gehalten werden. "Doch wir sind auch der Meinung, dass jede Verzögerung bei der Bereitstellung von Unterstützung ein Abwärtsrisiko darstellt", schränkt Liang ein.

Besser mit dem Segen der Regierung investieren
Pekings Regulierungsbemühungen bleiben generell ein Risiko für Investoren. Bei RWC Partners hat man deshalb Sektoren, die mit politischem Gegenwind konfrontiert sind, untergewichtet. "Wir glauben jedoch nicht, dass die regulatorischen Neuerungen die Attraktivität Chinas insgesamt schmälern", sagt Liang. "Wir beobachten die Vorgaben der Regierung weiterhin aufmerksam und investieren vor allem in die Bereiche der Wirtschaft, denen auch die chinesische Regierung hohe Bedeutung beimisst, zum Beispiel Konsumgüter, Reisen und grüne Energie." (fp)