Peking geht mit voller Wucht gegen die Krypto-Szene vor: Bei einer Großrazzia vor wenigen Tagen wurden nach offiziellen Angaben 170 kriminelle Banden aus dem Krypto-Milieu zerschlagen und weit über tausend Menschen verhaftet. Darüber berichtet das Wirtschaftsportal "Capital Online". Lokale Internet-Provider müssen entsprechende Handelsplattformen offline nehmen, Social-Media-Konten von Krypto-Fans wurden in China gesperrt. Analysten vermuten hinter diesem verschärften Vorgehen Pekings einen größeren Plan, der noch weitere Eskalationsstufen beinhalten könnte. So wurde Banken bereits im Mai der Handel mit Digitalwährungen untersagt. Jetzt könnte die Einbindung von Krypto-Aktivitäten in das Strafrecht folgen.

Die Behörden begründen ihren Feldzug einerseits damit, gegen kriminelle Machenschaften vorzugehen. Die verhafteten Personen wurden verdächtigt, Cyberdevisen konsequent zur Geldwäsche verwendet zu haben. Andererseits soll das Finanzsystem vor den außergewöhnlich starken Kursschwankungen der Cyberwährungen geschützt werden. Das klingt durchaus nachvollziehbar: Im Mai fiel der Kurs der bekannten Kryptowährung Bitcoin von 65.000 US-Dollar um mehr als die Hälfte auf 30.000 US-Dollar. 

"Jüngstes Gericht" für Digital-Devisen
Auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo ist die Rede von einem bevorstehenden Verbot aller Kryptowährungen. Eine Bitcoin-Kommentatorin schrieb dort nach den aktuellen Aktionen vom "Tag des jüngsten Gerichts". Krypto-Experte Markus Miller bezeichnet solche Sorgen hingegen als Panikmache pur. China könne sich ein pauschales Krypto-Verbot gar nicht leisten, sagte Miller gegenüber Ntv.de.

Das Verbot einer auf der Blockchain basierenden Zukunftstechnologie würde der Volksrepublik als Technologiestandort nachhaltig schaden. Unternehmen würden dann aus China abwandern – und zwar in die USA, die dann die Vorherrschaft im Krypto-Segment übernehmen könnten. Ganz im Gegenteil unterstütze Peking sogar die neue Technologie, sagt Miller. Die chinesische Zentralbank plant, eine eigene Digitalwährung auf Yuan-Basis einzuführen. Der Experte ist optimistisch: "Für mich sind die angeblichen Negativmeldungen aus China wieder einmal 'ein Krypto-Sturm im Wasserglas'". (fp)