China-Aktien: Untergewichtet, unterbewertet, unterschätzt
Alliance-Bernstein-Experte John Lin sieht nach zwei Jahren starker Performance weiter gute Chancen bei China-Aktien. Dabei komme es aber zunehmend auf die Wahl der richtigen Einzeltitel an.
Nach zwei Jahren zweistelliger Zuwächse bei China-Offshore- und China-A-Aktien geht es 2026 nicht mehr um die grundsätzliche Investierbarkeit, sondern um die richtige Allokation und Selektion, sagt John Lin, Leiter China Equities bei Alliance Bernstein. Getragen von besseren Fundamentaldaten, steigenden Gewinnen und politischen Reformen startet China aus seiner Sicht mit einer soliden Ausgangslage in die nächste Phase der Erholung. Um weiteres Potenzial zu heben, dürfte seiner Meinung nach jedoch ein selektiver Ansatz entscheidend sein.
China ist in Portfolios noch unterrepräsentiert
Trotz der Erholung seien viele globale Investoren weiterhin nur gering in China engagiert, so John Lin: "Mit erwarteten US-Zinssenkungen und einem unter Druck stehenden US-Dollar suchen Investoren Alternativen zu US-Dollar-Risikoanlagen." Europa und Japan hätten zwar Zuflüsse gesehen, China bleibe jedoch vielfach untergewichtet. "Sollten mehr Anleger Mittel umschichten, könnte das ein längerfristiger Katalysator sein", meint der Anlagechef.
Die geringe Allokation spiegele sich auch in den Bewertungen wider, insbesondere bei A-Aktien. Zum Jahresende 2025 handelte der CSI 300 laut Lin beim 13,9-Fachen des erwarteten KGVs. "Das liegt zwar über dem historischen Durchschnitt, bleibt aber unter früheren Spitzen und bedeutet einen deutlichen Abschlag gegenüber S&P 500 und MSCI EAFE", sagt der Aktienexperte. Das eröffne Spielraum für steigende Bewertungen – zumal ein schwächerer US-Dollar Schwellenländeranlagen historisch oft unterstützt.
Ineffizienz schafft Chancen
Dennoch bleibt Volatilität seiner Meinung nach Teil des China-Engagements. Gleichzeitig sei China weiterhin ein vergleichsweise ineffizienter Markt. "Genau diese Ineffizienz, gepaart mit schnellem strukturellem Wandel, schafft Chancen über viele Branchen hinweg", so Lin. Gerade aktive Manager könnten Alpha generieren – durch Bottom-up-Selektion von falsch bepreisten Titeln mit soliden Gewinnperspektiven und attraktiven Bewertungen.
Er ist überzeugt: "Für Investoren kann China eine tiefe, liquide und gut investierbare Ergänzung bestehender globaler Allokationen sein. Weil die Marktstimmung jedoch absehbar schwankungsanfällig bleibt, ist fundamentale Einzeltitelauswahl in dieser nächsten Phase der Erholung besonders entscheidend." (jh)













