Der Angriff auf Iran und die teilweise Sperrung der Straße von Hormus haben die Ölpreise steigen lassen und für Kursrücksetzer sowie erhöhte Volatilität gesorgt. Johannes Mayr, Chefvolkswirt von Eyb & Wallwitz, setzt in den volatilen Märkten auf eine langfristige Perspektive. Er sagt: Geopolitische Schocks würden zwar meist zu abrupten Marktbewegungen führen – aber sich selten langfristig auswirken.

Wachstumstrends bleiben intakt
In der Vergangenheit seien in Krisen zwar kurzfristig die Energiepreise gestiegen, während Aktienmärkte nachgaben, so Mayr: "Doch innerhalb weniger Monate setzten Normalisierungstendenzen ein und die Märkte fanden zu ihrem vorherigen Trend zurück." Das liegt seiner Meinung nach auch an den Ölmarktmechanismen. "Öl ist fungibel, global handelbar, und die Produktion kann flexibel ausgeweitet werden. Politisch motivierte Ausfälle werden häufig durch andere Förderländer oder strategische Reserven ausgeglichen", sagt Mayr. Auch alternative Transportwege würden dauerhafte Engpässe mindern.

"Die großen strukturellen Wachstumstreiber wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Infrastrukturinvestitionen und die demografische Entwicklung werden durch regionale geopolitische Ereignisse kaum beeinträchtigt", so der Chefvolkswirt. "Ein Software-Anbieter, ein Medizintechnologieunternehmen oder ein Infrastrukturentwickler ändert seine Ertragskraft nicht dadurch, dass kurzfristig der Ölpreis schwankt." Mayr meint: "Politische Börsen haben kurze Beine, und die globalisierte Wirtschaft zeigt sich regelmäßig widerstandsfähiger, als es in Krisenmomenten scheint."

Volatilität als Begleiter und Chance
Erhöhte Schwankungen seien ein normaler Teil des Marktgeschehens, so Mayr: "Historisch wurden in Phasen großer Unsicherheit oftmals die attraktivsten langfristigen Renditen erzielt – gerade weil viele Anleger in solchen Momenten zu emotionalen Entscheidungen neigen. Wer besonnen bleibt, profitiert häufig davon, dass Märkte nach Überreaktionen wieder zu Fundamentaldaten zurückfinden." (jh)