Die Investitionen in Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI) sollten hoch bleiben und weiter einen enormen Wachstumstreiber darstellen, schreibt Felix Herrmann, Chefvolkswirt bei Aramea Asset Management in Hamburg, in seinem aktuellen Ausblick auf das kommende halbe Jahr. Die enorme Investitionsnachfrage in den USA sei einer der Gründe, weshalb die Inflation dort ein schwerwiegenderes Problem sei als in Europa.

Geldpolitik von Fed und EZB
In den USA geht es deshalb derzeit darum, ob Zinsanhebungen in diesem Jahr notwendig sein könnten, wie Herrmann erläutert. Vor dem Hintergrund des robusten US-Wachstums sowie der Tatsache, dass der US-Arbeitsmarkt die Kurve bekommen zu haben scheint, wäre eine Zinsanhebung der Federal Reserve (Fed) in diesem Jahr für ihn keine große Überraschung.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat – wie schon im jüngsten Senkungszyklus – vor der Fed den ersten Schritt gewagt und die Zinsen angehoben. "Es dürfte allerdings maximal noch eine Zinsanhebung dazukommen", meint Herrmann.

Aussichten für Anleihen und Aktien
"Kredit- vor Durationsrisiken", lautet für Herrmann das Credo an den europäischen Rentenmärkten. Die jüngste Krise habe wieder gezeigt, dass die Duration deutlich aktiver gemanagt werden müsse als vor der Corona-Krise. Die vermeintlich engen Spreads von europäischen Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen erscheinen vor dem Hintergrund der relativ besseren Schuldenpolitik der Unternehmen alles andere als eng: "Wir rechnen entsprechend mit weiteren Einengungen."

Für Aktien bleibe der Ausblick konstruktiv – allerdings nicht ohne Warnsignale. "Die Zahlen, die aktuell von den Chip-Herstellern produziert werden, sind schlicht atemberaubend", stellt der Aramea-Experte fest. "Für den breiten Aktienmarkt sind wir nicht ganz so euphorisch gestimmt. Wir bevorzugen daher defensivere Segmente wie beispielsweise Low-Volatility-Aktien."

Kurze Einschätzungen von Herrmann zu einzelnen Anlageklassen sehen Sie in der Bilderstrecke oben, einfach durchklicken! (fp)