Es gibt Situationen, die selbst Menschen mit jahrzehntelanger Börsenerfahrung bis ins Mark treffen: "Mir bleibt seit Aschermittwoch das Lachen im Hals stecken. Und ganz sicher nicht deshalb, weil seither die tollen Tage vorbei sind", schreibt Wieland Staud, Leiter von Staud Research, in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Die Märkte hätten in der Zwischenzeit Bewegungen gemacht, die der Charttechniker trotz seiner 35-jährigen Erfahrungen am Kapitalmarkt so noch nie gesehen habe.

Wer seit Rosenmontag (24. Februar) nicht in sein Depot geschaut hat, der dürfte angesichts der heutigen Zahlen beim ersten Blick von einem Datenfehler ausgehen. Niemals zuvor haben die Märkte in so kurzer Zeit so heftig an Boden verloren, niemals zuvor verschlechterte sich laut Staud die Verfassung vieler Einzelwerte so nachhaltig. Paradox: "Die Stimmung, ein Kontraindikator, scheint derzeit nicht viel schlechter zu sein, als sie dies bei 13.800 Punkten war. Auch das habe ich bislang nur sehr, sehr selten beobachten können", schreibt Staud.

Es gibt wichtigeres als die Kapitalmärkte
Außergewöhnliche Entwicklungen an den Finanzmärkten finden ihre Begründung in der Regel in ebenso außergewöhnlichen Entwicklungen in der realen Welt. Der Charttechniker glaubt deshalb nicht daran, dass sich die Konjunktur so schnell wieder erholen wird.

Für Anleger ist das wohl zurecht ein unschöner Gedanke. Sie sollten sich nun besonders stark in Erinnerung rufen, dass es Größeres, Schöneres und Wichtigeres gibt als die Kapitalmärkte. Optimismus sei jetzt die einzige Alternative schreibt Wieland. Nicht unbedingt für die Aktienmärkte – aber für alles andere. (fp)