Dow hui, Dax pfui: Die beiden wichtigsten Börsenbarometer der USA und Deutschlands hätten sich in der Vergangenheit nicht unterschiedlicher entwickeln können. Während der Dow Jones seit Januar 2018 ein Plus von rund zehn Prozent verzeichnet, hat sich der Dax ebenfalls um zehn Prozent bewegt – allerdings nach unten. "Man muss kein großer Prophet sein, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass ein global denkender Investor um den Dax wohl einen Bogen machen und es lieber mit dem Dow halten wird", schreibt Wieland Staud, Leiter der Staud Research GmbH in Bad Homburg, in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Für das Siechtum des Dax und den Höhenflug des Dow gibt es aus Sicht des Charttechnikers Staud gute fundamentale Gründe. So finden die 30 Dow-Werte ein besseres wirtschaftliches Umfeld vor als ihr deutsches Pendant. Gemeint sei damit nicht nur der laxe Umgang mit Umwelt- und Klimathemen in den USA, erklärt Staud. Sondern auch die Tatsache, dass "Infineon nicht Intel und die Deutsche Bank nicht JP Morgan ist."

Kein klarer Aufwärtstrend
Der Dow Jones hat Staud zufolge beste Chancen, seine Kursgewinne auszubauen. Der Analyst rechnet für die nächste Zeit mit einem Wachstum von bis zu 2.000 Punkten, was das Baroemter der magischen 30.000-Zähler-Marke nahe brächte. Denn der US-Index hätte nach einer längeren Korrektur jüngst neue Allzeit-Hochs verzeichnet, was laut Staud das "vielleicht beste 'Steigt'-Signal, das die technische Analyse überhaupt kennt", darstellt.

Der Dax dagegen ist nicht nur meilenweit von seinen bisherigen Bestmarken aus dem Januar 2018 entfernt. Auch seine technische Basis sei im Vergleich zum Dow Jones mehr als kläglich, schreibt Staud. Ein klarer Aufwärtstrend sei beim deutschen Leitindex nicht erkennbar. Bestenfalls werde der Dax daher im Aufwärtssog der Wall Street noch einmal kleinere neue Jahreshochs erzielen. Mittelfristig sei der Spielraum nach unten aber deutlich größer. (fp)