Die Weltwirtschaft kühlt sich weiter ab, auch der Handelsstreit zwischen China und den USA bleibt ungelöst – und trotzdem haussieren die Aktienmärkte. Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees bei der französischen Fondsgesellschaft Carmignac, überrascht diese Situation: "Paradoxerweise kommt dieses auf den ersten Blick wenig verlockende Umfeld den Märkten auf kurze Sicht zugute", stellt er fest. Sein Erklärungsansatz: Viele Marktteilnehmer sind schon damit zufrieden, dass die Zentralbanken inzwischen weltweit signalisieren, dass sie auf die künftigen Marktentwicklungen entschlossen reagieren – wie auch immer diese aussehen werden. Das beruhigt viele Investoren offenbar. 

Mittelfristig sorgt sich Saint-Georges allerdings um die weiterhin steigende Staatsverschuldung: "Letztlich werden wir uns mit der nicht konventionellen Geldpolitik auseinandersetzen", vermutet er. Heißt: Trotz bereits negativer Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen in Deutschland und Frankreich und winziger 0,2 Prozent Zinsen in Spanien geht er davon aus, dass die Europäische Zentralbank weiter Anleihen aufkaufen und so noch mehr Liquidität in die Märkte pumpen wird.  

Die Ernennung Christine Lagardes war der erste Schritt
Auf Dauer wird das zwangsläufig in Steuererhöhungen münden, sagt Saint-Georges: "Mittelfristig wird allmählich die Notwendigkeit eines massiven Rückgriffs auf die Haushaltspolitik Zustimmung finden." Die Ernennung Christine Lagardes zur neuen EZB-Präsidentin ist für ihn ein Fingerzeig in diese Richtung. (fp)